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Maintenance Winter 26

Nach der umfangreichen Maintenance vom Oktober 2025 wäre jetzt eigentlich keine weitere Session geplant gewesen. Aber die während der Transat verursachten Schäden mussten so schnell als möglich behoben werden: neben der zerstörten Reling, der delaminierten Scheuerleiste, den Haarrissen am Rumpf und der beschädigten Holzwand in der Navigation – alles verursacht bei Henrys Abbergeaktion – war auch der Rumpf unter Wasser durch den Passatbaum arg beschädigt worden. Bei meiner Tauchaktion auf der Reede bei Sainte Anne stellte ich fest, dass an einigen Stellen der Celcoat bis auf die Glasfasermatten weggescheuert worden war. Natürlich musste auch der Jockey Pole ersetzt, der geborgene Passatbaum repariert und die zugehörigen Leinen und Schäkel ersetzt werden. Auch die durch den Landstrom Ausfall in Las Palmas beschädigten Batterien mussten ersetzt werden. Dazu sollte der Wellenalternator endlich zum funktionieren gebracht werden, und ich trug mich mit dem Gedanken, die Ankerkette auszutauschen und allenfalls eine Kukenbude fertigen zu lassen. Eine ganze Latte von Arbeiten also, welche ich an AMEL Caraïbe herantrug.

Meine Hoffnung, dass AMEL Caraïbe als „Generalunternehmer“ die verschiedenen Arbeiten koordinieren würde, verflüchtigte sich relativ schnell. Derjenige, welcher hier koordinieren und organisieren durfte, war ich alleine. Ein ziemlich mühsames Unterfangen, da ich ja nicht Aufträge gleich sofort vergeben durfte, sondern zuerst alle Offerten schön sammeln und an den von der Versicherung bestellten Surveyor – Pierre Corriveaud – weiterleiten musste. Erst nach dessen Schadensbericht und Kostenzusammenstellung für die Versicherung, konnten Nägel mit Köpfen – respektive die Versicherung eine Kostengutsprache – gemacht werden. Sehr uncool, da die verschiedenen Betriebe sehr gut ausgebucht waren und nicht noch auf die Arbeiten an S/Y AVENTURA gewartet hatten. Und so verstrich die Zeit in typisch karibischer Langsamkeit.

Durch eine Absage wurde am Mittwoch 4. Februar plötzlich ein Slot bei CarenAntilles frei, und S/Y AVENTURA wurde ausgewassert und aufs Trockene gestellt. Alban Leroy von AMEL Caraïbe und Pierre Corriveaud inspizierten die Schäden am Rumpf. Anschliessend wurde TMS mit der Reparatur beauftragt, aber es dauert schon mal fünf Tage bis Félix überhaupt eine Offerte erstellte.

In der Zwischenzeit erteilte ich Aufträge, welche nicht das grüne Licht der Versicherung benötigten: die Ankerkette wurde ausgetauscht, Offerten für den Batterien Austausch eingeholt etc. Dies lief erstaunlich zügig ab, so dass bereits am Freitag 6. Februar die neue Ankerkette eingezogen wurde. Das alte, verrostete Teil verschenkte ich an einen Mitarbeiter von CarenAntilles. Der freute sich, und ich mich auch, da ich mich nicht mehr um die Entsorgung der alten Kette kümmern musste. Ein klassisches Win-Win.

Die Frage, die AGM Batterien mit Lithium Batterien zu ersetzen, beantwortete sich nach der Sichtung der Offerten ziemlich schnell: Lithium hätte den vierfachen Preis von AGM bedeutet, und das fand ich dann doch etwas teuer. Also wurden wieder AGM Batterien bestellt, auch wenn Lithium deutlich mehr Kapazität gehabt hätte.

TMS arbeitete am Rumpf und schon bald waren die Schäden repariert und ein neuer Antifouling-Antrich angebracht. Ich konnte für den 11. Februar den letzten Slot zum Einwassern ergattern und auch gleich noch einen Platz für die nächste Station im Reparatur-Marathon buchen: INOXALU für die Reparaturen an der Reling.

Bei INOXALU ging es bereits frühmorgens los, Kai montierte die zerstörte Reling ab, was erstaunlich gut vonstatten ging. Gleichentags wurden die ersten neuen Relingteile eingebaut und verschweisst. Auch Caraībes Marine lieferte die neuen AGM Batterien an. Gemeinsam wurden die alten, verschlissenen Batterien ausgebaut und von Bord getragen, dann wurden die neuen an Bord gehievt. Eine ziemlich schweisstreibende Angelegenheit unter der karibischen Sonne.

Die Reparatur der Reling ging erstaunlich schnell voran und bereits nach etwas mehr als einem Tag war sie repariert. Auch die neuen Batterien waren eingebaut und als 24V Päckli angeschlossen. Statt 380Ah hatte ich jetzt nur noch 360Ah zur Verfügung, dafür mit neuen AGM Batterien. Das sollte genügen für die nächsten vier bis fünf Jahre.

Der Wellenalternator baute ich zum x-ten Mal aus. Bei AMEL Caraïbe gab es dazu aber leider keine Unterstützung, ausser weiteren Schemas, welche mich keinen Schritt weiter brachten. Also baute ich das Teil wieder ein und werde daran wohl nichts mehr machen.

Auch die in die Jahre gekomme Waschmaschine gab ihr letztes Säuseln von sich und musste ersetzt werden. Diese Maschinen gibt es so neu nicht mehr zu kaufen, also versuchte ich mein Glück mit einer revidierten Waschmaschine. Leider lief auch dieses Teil nicht, so dass S/Y AVENTURA bis auf weiteres ohne Waschmaschine auskommen musste.

Am 14. Februar traf Isabel in Le Marin ein, und schnell gab es Ablenkung zu all den Reparaturen. Mit einem Mietauto wurde die Insel Martinique erkundet, angefangen beim „Carnaval“ in Fort de France. Dieser war aber nicht so beeindruckend, eher etwas primitiv angehaucht und ohne die erwartete rhythmische Musik, dafür mit extrem lauter Musik (Lärm) aus den Boxen der vorbei fahrenden Autos und Lastwagen.

Interessanter war der Besuch von Sainte Pierre, der ehemaligen Inselhauptstadt, welche am 8. Mai 1902 durch den Ausbruch des Vulkans Mont Peleé verschüttet wurde. Bis auf einen Gefängnis Insassen, welcher durch die dicken Mauern geschützt war, starben rund 30,000 Menschen bei dieser Katastrophe. Auf der Reede vor Sainte Pierre liegen noch die Wracks der 1902 gesunkenen Schiffe, welche man auch betauchen könnte.

Unverzichtbar war auch ein Besuch in einer Rhum Distellerie, von welchen es auf Martinique einige gibt. Unsere Wahl fiel auf die J.M. Distillerie, welche in Macouba im Norden der Insel, ziemlich abgelegen liegt. Sie wurde 1845 vom Jean-Marie Martin gegründet und seit 1914 führt die Familie Crassous de Médeuil die Brennerei. Die Produktion des klassischen Rhum Agricole, also Rhum aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft ist beeindruckend. Am Schluss der Besichtigung durften wir noch einige Rhums probieren und natürlich auch kaufen.

Die karibische Natur war beeindruckend, sei es die schwarzen Sandstrände von Sainte Pierre, der üppige Pflanzenwuchs oder die verschiedenen Inseln, welche um Martinique liegen.

Die wichtigsten Reparaturen waren erledigt, und nach über drei Wochen in Le Marin war es langsam Zeit für einen Szenenwechsel. Die restlichen Reparaturen wurden auf April/Mai verschoben, und S/Y AVENTURA konnte endlich die Marina Le Marin verlassen und erst mal auf der Reede in Saint Anne vor Anker gehen. Tags darauf lichteten wir den Anker und segelten in Richtung Süden.

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