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Tanger, Lanzarote, Gran Canaria

Matthias und Hardy begleiteten mich auf der Etappe nach Gran Canaria. Die Abfahrt ab Gibraltar verzögerte sich etwas, da die Wettermodelle für einen direkten Schlag nach Lanzarote über mehrere Tage ungünstigen Wind prognostizierten. Also war vorerst warten angesagt.

Des Wartens etwas überdrüssig geworden, entschlossen wir uns daher, erst einmal nach Tanger zu segeln, und dort auf günstigen Wind für den langen Schlag nach Lanzarote zu warten.

Der Schlag zur afrikanischen Seite der Strasse von Gibraltar gestaltete sich als herrliche Rauschefahrt entlang der spanischen Küste, anfangs mit mässigem Wind, welcher dann vor Tarifa auf 26kn und mehr auffrischte. Kurz nach dem Verkehrstrennungsgebiet querten wir die Strasse von Gibraltar und damit verliess SY AVENTURA den europäischen Kontinent.

In Tanger liefen wir die Tanja Marina Bay an, wo auch das Einklarierungsprozedere stattfand. Die übliche Besichtigung (Durchsuchung) des Schiffs, liess die Beamten beim Blick in die Bilge ziemlich stutzen: „Mais vous avez vraiment beaucoup d‘alcohol à bord, Monsieur“, meinten sie, stirnrunzelnd meine Vorräte an Wein und härteren Sachen betrachtend. Dem entgegnete ich, dass wir halt noch einen sehr weiten Weg bis in die Karibik vor uns hätten und wir in Tanger ja bloss auf der Durchreise seien, was zum Glück akzeptiert wurde, und wir nach Marokko einreisen durften.

Gleich neben der Tanja Marina Bay, sind verschiedene Restaurants, Bars und Clubs angesiedelt, alle mit hoher Qualität und entsprechenden Preisen auf die lokale Schickeria und die Touristen ausgerichtet. Wir besuchten das Safran und genossen exzellente marokkanische Küche mit Live Show Experience.

Entertainment im Safran

Tanger ist eine bedeutende Hafenstadt und einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Mittelmeerraum. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus arabischen, andalusischen, afrikanischen und europäischen Einflüssen. Die Altstadt (Medina) mit engen Gassen und Basaren ist besonders sehenswert.

Die Stadt wurde über Jahrtausende von Phöniziern, Römern, Arabern, Portugiesen, Spaniern und Franzosen geprägt. Von 1923-1956 war Tanger eine internationale Zone, ein einzigartiges politisches Konstrukt mit besonderem Status, welches viele Künstler, Schriftsteller und Diplomaten anzog. Auch heute hat Tanger eine Mischung aus kosmopolitischem Flair und traditioneller marokkanischer Kultur.

Endlich ergab sich ein Wetterfenster, welches uns erlaubte, den Schlag nach Lanzarote zu starten, obwohl die ersten zwei Tage Amwind-Segeln zu erwarten war. Also klarierten wir aus, was für marokkanische Verhältnisse relativ rasch ablief, und stachen in See.

Tatsächlich waren die ersten beiden Tage ungemütlich, bei Kurs hart am Wind, Regensqualls mit bis zu 40kn Böen und einer unangenehmen Welle. Ab dem dritten Tag drehte der Wind endlich auf die für diese Jahreszeit übliche Nordost Richtung und SY AVENTURA konnte endlich mit der Passatbesegelung fahren. Zuerst noch gemächlich, lange begleitet von einer Gruppe Delphine, wurde die Fahrt bei auffrischendem Wind immer rasanter, und wir preschten letztlich mit 9.5kn durchs Wasser und erreichten sogar eine maximale Geschwindigkeit von 11kn. Noch zu nachtschlafener Zeit fuhren wir in die Marina Rubicón auf Lanzarote ein, und mussten bis zum nächsten Morgen warten, um einchecken zu können.

Die grosse Marina war ziemlich voll, und es stellte sich als gute Idee heraus, den Platz bereits bei der Abfahrt in Tanger reserviert zu haben. SY AVENTURA lag prominent direkt vor der Restaurant- und Café-Zeile und wir hatten somit kurze Wege.

Auf dem Schlag von Tanger nach Lanzarote hatten wir im Starkwind die Genua und den Besan beschädigt, so dass kurzfristig ein Segelmacher für die Reparatur benötigt wurde. Manuel von Lanzarote Sails führte die nötigen Arbeiten prompt und zuverlässig aus, so dass wir schon bald wieder weiterfahren konnten.

Weiter ging es via Puerto Calero in den Norden von Lanzarote zur Isla Graciosa, wo wir im Naturschutzgebiet in der schönen Bucht Playa Francesca ankerten. Das war eine willkommene Abwechslung zu den bisherigen Marinas.

Bevor wir jedoch in der Playa Francesca vor Anker gehen konnten, war wieder Aufkreuzen gegen Wind und Welle angesagt, was eine mühsame Angelegenheit war. Erst nach Sonnenuntergang fiel der Anker und wir dann bald einmal in die Kojen. Der nächste Morgen offenbarte dann die Schönheit dieser Bucht, mit atemberaubendem Blick zum Montaña Amarillo und zur Westküste von Lanzarote.

Mit dem Dinghy wurde Tags darauf zum Strand übergesetzt und eine staubige Wanderung nach Caleta de Sebo angetreten. Die wunderschöne Natur erinnerte an eine Westernkulisse. Es fehlten nur noch der lange Mantel, der Stetson und natürlich der tief hängende Colt.

Den 1. Advent verbrachten wir mit einem erfolglosen Versuch, die automatische Bilgenpumpe wieder zum arbeiten zu bringen, sowie mit der Suche nach einem nächsten Hafenplatz. Eigentlich war der Plan, Fuerteventura anzulaufen, aber entweder war niemand erreichbar oder die Marina war bereits voll. Dies scheint in dieser Jahreszeit wohl die Regel zu sein, auch die Playa Francesca war mit mehr als 20 Yachten gut gefüllt. Schliesslich erhielten wir von der Marina Rubicón eine Zusage, so dass wir wieder dorthin segelten, endlich wieder mit einer Downwind Passage.

Wir erlebten eine tolle Rauschefahrt, mit 9kn Fahrt bei 21-23kn Wind. Und all dies am 65. Geburtstag von Matthias, welchen wir am Abend beim Japaner mit einem vorzüglichen Dinner feierten.

Rauschefahrt entlanng der Westküste von Lanzarote

In der Marina Rubicón wurde SY AVENTURA retabliert und die automatische Bilgenpumpe wurde durch eine neue aus dem Ersatzteillager ersetzt. Ebenfalls wurden die in die Jahre gekommenen zugehörigen Schläuche ersetzt. Und auch im Flagship waren wir wiederum gern gesehene Gäste.

Die Zeit in der Marina Rubicón ging langsam zu Ende und das Wetter passte gut, um die Ūberfahrt nach Las Palmas zu wagen. Nach einem letzten Dinner im Argentinischen Restaurant und einem letzten Besuch im Flagship, nahmen wir am nächsten Morgen die 100sm in Angriff. Der Schlag nach Gran Canaria war ein wunderbarer und schneller Downwindritt mit der Passatbesegelung, welcher auch einen tollen Abschluss dieses Törns von Gibraltar nach Gran Canaria darstellte. Um 0330h fiel der Anker auf der Reede vor dem Puerto Desportiva Las Palmas und wir stiessen mit einem wohlverdienten Ankerbier auf den gelungenen Törn an. Am nächsten Morgen verlegten wir in die Marina und bezogen unseren Platz, an dem SY AVENTURA nun bis zum Start der Transat im Januar liegt.

Las Palmas wurde 1478 gegründet und ist die neuntgrösste Stadt Spaniens. Der historische Stadtteil Vegueta mit engen Gassen, kolonialer Architektur und Kopfsteinpflaster zählt zu den schönsten und geschichtsträchtigsten Vierteln. Las Palmas verbindet Stadt- und Inselflair, was die Stadt besonders lebendig und vielfältig macht.

Schon bald nahte der Abschied und wir fuhren zum Flughafen, wo Hardy nach Berlin, Matthias nach Basel und ich nach Zürich – für einen ungeplanten Kurzaufenthalt – flogen. Schön wars, und die beiden Segelkameraden waren sicherlich nicht zum letzten Mal an Bord der SY AVENTURA.

Gibraltar-Tanger-Lanzarote-Las Palmas

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