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Trinidad

Alle Reparaturarbeiten waren erledigt, das neue Solar Portal mit den Panels war montiert, die neue Dinghy Aufhängung und der Kran für den Aussenbordmotor waren ausprobiert und der Grosseinkauf im Auchon war ebenfalls vollbracht. Endlich konnte ich Martinique verlassen und einmal mehr in Richtung Süden segeln.

Dieses Mal war jedoch kein eigentlicher Törn angesagt, ich wollte schnell in die Grenadines gelangen, und dort etwas Zeit an meinen bevorzugten Ankerplätzen verbringen, um dann via Grenada nach Trinidad zu segeln. In Chaguaramas bei Peake Yacht Services sollte SY AVENTURA Anfang Juni ausgewassert und auf dem Trockenen für die Hurricane Season vorbereitet werden. Ich hoffte auf gute Bedingungen und erfreute mich, dank der verbesserten Stromversorgung, an der erweiterten Autarkie.

Nach einem kurzen Schlag mit Stopp in der Marigot Bay in Saint Lucia folgte ein längerer Schlag nach Bequia. Wegen der beträchtlichen Gegenströmung im Luv von Saint Vincent entschied ich mich für die Durchfahrt im Lee. Hier war der Wind in Inselnähe erwartungsgemäss wechselhaft und es waren 3-4sm Abstand zur Küste nötig, um mehr oder weniger ungestörte Winde zu haben. Kurz vor Tagesende fiel das Eisen in der Admirality Bay in Port Elizabeth auf Bequia und ich genoss das wohlverdiente Ankerbier bei einem schönen, fast schon kitschigen, Sonnenuntergang.

Der 1. Mai war auch in Bequia ein Feiertag. Allerdings wurde hier nicht demonstriert oder gar „die Internationale“ gesungen, sondern nach gut karibischer Art tüchtig Party gemacht. Musik ist bekanntlich Geschmackssache, und für meine Ohren war der ohrenbetäubende Krach vergleichbar mit den überlauten Lautsprecherwagen am Carneval von Fort-de-France, also nicht wirklich erbaulich. Mit einem letzten Rumpunsch im Whaleboner nahm ich Abschied von Bequia und setzte am nächsten Morgen Segel für die Fahrt nach Canouan. Da erhoffte ich mir etwas mehr Ruhe und weniger Trubel (oder eben Krach).

Nach ein paar Tagen vor Anker in der Rameau Bay in Canouan segelte ich weiter, in die Tobago Cays. Hier hatte es deutlich weniger Schiffe als noch im März oder April, das Saisonende war nicht mehr weit weg. Ich ankerte im Lee vom Horse Shoe Reef, wo es wie immer um die 20kn blies, jedoch ohne Seegang. Wie bei den anderen Besuchen hier, waren die Farben des Meeres atemberaubend, etwas woran man sich nie sattsehen kann.

Eigentlich wollte ich eine gute Woche in den Tobago Cays bleiben und ein wenig am Horse Shoe Reef tauchen. Bei so einem Tauchgang traf ich beim Ausstieg zu meinem Dinghy unter Wasser auf andere Taucher, darunter einen offenbar sehr aufgebrachten Guide, welcher mir unter Wasser mittels Schreibtafel erklärte, dass hier tauchen ohne einen „local dive guide“ illegal sei, was ich bereits wusste. Ich signalisierte ihm „OK“, und meinte damit, dass ich seine Mitteilung schon verstanden hätte und mich in Zukunft daran halten würde. Damit dachte ich, sei die Sache erledigt. Aber nur bis später am Nachmittag die Park Rangers bei SY AVENTURA vorfuhren und mich wegen „Diving without instructor“ zu einer Busse von 800 XCD (ca. 230 CHF) verknurrten. Das war wirklich ein teurer Tauchgang, relativierte sich jedoch mit den anderen – ebenfalls illegalen Tauchgängen – welche aber nicht verpetzt wurden. Schorcheln jedoch ist im Marine Park legal, und so war ich tags darauf an gleicher Stelle am Aussenriff als Schnorchler unterwegs. Viel weniger als beim Tauchen hatte ich nicht gesehen, und es wurde bald einmal langweilig in den Tobago Cays. So beschloss ich, am nächsten Tag Petit Tabac noch einen letzten Besuch abzustatten und dann nach Frigate Island zu segeln, wo ich auch an einem Riff tauchen könnte, jedoch ohne die Restriktionen eines Marine Parks.

Der Besuch auf Petit Tabac war sehr schön, ich war der einzige Besucher dort und konnte ein wenig Tom Hanks im Film „Cast Away“ nachfühlen, ohne mir jedoch gleich einen Zahn mit einem Schlittschuh extrahieren zu müssen. Tatsächlich hätte ich die Schlittschuhe dazu, die waren eines der „FedEx“ (Cast Away) Pakete, welche mir Boppi und Familie zu meinem 60. Geburtstag schenkten. Bei der etwas ruppigen Rückfahrt von Petit Tabac legte ich beim Dinghy Pass vom Horse Shoe Reef, also dort wo ich meine illegalen Tauchgänge gestartet hatte, noch einen letzten Schnorchelstopp ein. Schon bei der Fahrt mit dem Dinghy hatte ich bemerkt, dass teilweise starke Strömungen vorhanden waren. Beim Dinghy Pass war jedoch alles ruhig, so dass ich meine Schnorchel Tour ohne Bedenken starten konnte. Als ich jedoch ca. 100m vom Dinghy weg war, erfasste mich am Aussenriff eine relativ starke Strömung. Sofort realisierte ich, dass dies gefährlich war und versuchte dagegen anzukämpfen. Mit mässigem Erfolg: trotz vollem Einsatz, also Sprint-crawlen und mit den Flossen voll paddeln, blieb ich an Ort stehen und machte keinen Meter gut, was mir doch einen ziemlichen Schrecken einjagte. Denn wenn man hier von der Strömung weggetrieben wird, wohlverstanden in Richtung offenes Meer, merkt dies niemand und es besteht nur wenig Hoffnung auf Rettung. Also änderte ich meine Taktik und versuchte immerhin das Riff zu erreichen, so dass ich mich irgendwo festhalten konnte. Dies gelang unter grossen Mühen, wobei es am Riff mit den Brechern auch gefährlich war und ich gegen die sich überschlagenden Wellen kämpfen musste, um nicht auf das Riff mit seinen scharfen Korallen gespült zu werden. Letztlich ging alles gut und ich konnte mich zum Dinghy zurück kämpfen. Vom Schnorcheln am Aussenriff war ich vorerst geheilt.

Nach der Rückkehr zu SY AVENTURA ging ich ankerauf und segelte durch die südlichen Riffe der Tobago Cays, vorbei an Clifton und Palm Island, nach Frigate Island, wo das Eisen in den Sand fiel.

Am nächsten Morgen kriegte ich Gesellschaft auf dem Ankerplatz: der Dreimaster DANMARK lief ein und ging vor Anker. Das war ein eindrückliches maritimes Schauspiel. Die DANMARK ist eines der ältesten noch aktiven Segelschulschiffe Europas und ist ein Vollschiff mit drei rahgetakelten Masten, das immer noch für die Ausbildung junger Seeleute eingesetzt wird. Die DANMARK lief 1932 vom Stapel, ist 65m lang und führt eine Segelfläche von 1600m2. Die DANMARK nimmt regelmässig an historischen Windjammer-Treffen teil. Was sie jetzt in Union Island machte, war mir unklar, ausser, dass die Kadetten offensichtlich ihren Spass hatten. Die nautische Tradition war jedenfalls an allen Ecken und Enden spürbar und es war es war beeindruckend, dass sich all diese alten Verhaltensweisen bis in die heutige Zeit behaupten konnten. Jedenfalls strich auch ich bei Sonnenuntergang die Flagge, natürlich erst nach der DANMARK, wie es sich gehörte.

Als nächsten Ankerplatz lief ich die Chatham Bay an, immer noch auf Union Island. Letztmals war ich 2014 hier. Die Bucht ist recht gross und man ankert in der nordöstlichen Ecke. Schon bald bereitete ich die Tauchuntensilien vor und erkundete die Unterwasserwelt am Rapid Point. Ein entspannter Tauchgang ohne furiöse Strömungen, aber auch ohne grosse Sehenswürdigkeiten war bald im Kasten, so dass ich mich den Gegebenheiten an Land widmen konnte. Das Tenuta Resort hatte ein cooles Dinghy Dock und eine noch viel coolere Beach Bar, welche sich für den Sundowner geradezu aufdrängte.

Customs und Immigration sind bekanntlich in Clifton und so musste ich Union Island umrunden, um in Clifton den unvermeidlichen Behördengang zum Ausklarieren aus Saint Vincent and the Grenadines zu erledigen. Weiter ging es nach diesem Stopp nach Carriacou, wo ich in der Tyrell Bay in Grenada einklarierte und mich mit frischem Obst eindeckte.

Tags darauf ging es weiter von Carriacou nach Grenada, und dort nach Port Egmont, dem berühmten Hurricane Hole. Der Schlag war schön und schnell, bereits am Mittag viel der Anker. Port Egmont ist gesäumt von Mangroven und von eindrücklichen Villen, manche mit einer eigenen Yacht am Steg vor dem Haus. Nice.

Nach einer Woche vor Anker in Port Egmont wurde es Zeit für einen Ortswechsel. Ich verlegte SY AVENTURA in die Nachbarbucht, die grosse Clarkes Court Bay. Hier hatte es viele Anker- oder Bojenlieger, wobei viele Schiffe unbewohnt waren. Auch hatte ich mir ein paar Tauchspots an den um Hog Island liegenden Riffen ausgesucht, welche ich erkundete. Die Unterwasserwelt dieser Riffe war nicht so spektakulär, vieles war – wahrscheinlich durch frühere Hurricanes – beschädigt oder kaputt. Ein Ausflug auf Hog Island wurde ebenfalls unternommen. Die Insel ist noch recht ursprünglich und ist auch grösser als angenommen. Sie ist weitgehend unerschlossen und mit Buschland und Mangroven überwachsen. Der Name Hog Island stammt von wilden Schweinen, welche früher dort gelebt haben sollen. In Roger’s Barefoot Beach Bar – einer einfachen Strandbar direkt auf der Insel – gibt es BBQ und kühle Drinks. Besonders an Sonntagen ist dort gut Betrieb.

Wie merkt man, dass man etwas lange in einer Bucht gelegen hat? Wenn die Badeleiter Bewuchs zugelegt hat, und man sich an den kleinen scharfen Muscheln – Barnakles oder Seepocken – die Hände aufschneidet! Es wurde also langsam Zeit, wieder einmal ankerauf zu gehen und die Bucht zu wechseln. Die nächste Station war die Mt. Hartman Bay und da der Ankerplatz Secret Harbour. Auch hier hatte es viele Anker- oder Bojenlieger, aber immer noch genug Platz für SY AVENTURA mit einem 360 Grad Schwojkreis. Dieser war auch bitter nötig, weil durch die heftigen Böen und den unterschiedlichen Strömungen die Schiffe völlig erratisch um Anker oder Bojen drehten. In Secret Harbour gibt es eine kleine Marina mit Boutique Hotel und einem Restaurant mit Cocktail Bar mit schönem Blick auf die Bucht. Secret Harbour ist sehr gut geschützt und viele Segler verbringen hier die Hurrikan Saison.

Wieder wurde es Zeit für einen Standortwechsel. So segelte ich um Point Salines, der Südwestspitze von Grenada, zu der Grand Mal Bay, nördlich von St. George’s. Bei der Black Bay, unweit des Flughafens, liegt die ehemalige Fähre „Dolly C“ hoch und trocken. Am 7. März 2025 lief die Fähre auf Grund, lief voll und wurde in der Folge aufgegeben. Vorher war die „Dolly C“ viele Jahre als Fahrzeug- und Frachtfähre zwischen Grenada und Carriacou unterwegs und hatte sogar den Hurrikan Beryl 2024 überstanden, bei dem sie ebenfalls gestrandet war, jedoch wieder flottgemacht wurde. Dies zeigt einmal mehr, dass diese Gewässer nicht zu unterschätzen sind, da Wind und Strömungen stark, und oft unberechenbar sind.

In der Grand Mal Bay fiel der Anker und schon bald war das Dinghy RAFINE bereit, um zum „Underwater Sculpture Park“ bei der Dragon Bay zu fahren. Dieser Park gilt als der erste seiner Art weltweit und liegt in der Molinere-Beauséjour Marine Protected Area. Er wurde 2006 vom britischen Künstler und Meeresökologen Jason de Caires Taylor geschaffen. Die Skulpturen waren nicht nur als Kustwerke, sondern auch als künstliche Riffe gedacht, auf denen sich Korallen, Schwämme und andere Meeresorganismen ansiedeln können. Nach den schweren Schäden des Hurrikans Ivan 2004 sollte damit die Regeneration des Meereslebens gefördert und der Druck auf die natürlichen Riffe reduziert werden.

Die Skulpturen liegen nicht tief, so zwischen 5-10m und sind in der ganzen Bucht verteilt. Es hat Bojen, an welchen das Dinghy befestigt werden kann. Auf meiner Erkundungstour schnorchelnd fand ich den Platz recht interessant, obwohl das Riff ziemlich zerstört war und es nur einige wenige tropische Fische hatte. Die touristische Werbung bezeichnet den Unterwasser-Skulpturen Park als eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Karibik. Soweit würde ich jetzt nicht gehen – mir gefallen intakte natürliche Riffe viel besser. Trotzdem wollte ich den Park auch mit dem Tauchgerät erkunden und allenfalls einige Skulpturen unter Wasser fotografieren. Also zurück zu SY AVENTURA, das Tauchgerödel vorbereiten und voll ausgerüstet wieder zurück an die Boje gefahren. Bereits war ich in voller Tauchmontur angezogen und Sekunden vor dem Einstieg, als ein RIB mit einem Einheimischen angebraust kam, welcher mir freundlich aber bestimmt erklärte, dass ich hier nicht mit einem Gerät ohne einen lokalen Tauchshop tauchen dürfe. Nicht schon wieder, dachte ich! Ich hatte dies vorher gründlich recherchiert und keine solche Regelung gefunden. Nach der leidlichen und teuren Erfahrung von den Tobago Cays hatte ich jedoch keine Lust auf eine Wiederholung und nach einigem Insistieren fuhr ich wieder unverrichteter Tauchdinge zurück zur SY AVENTURA. Einen passenden Tauchshop zu suchen, und die üblichen Haftungspapiere und sonstigen Krimskrams zu unterschreiben, um dann mit einer Gruppe von Anfängern zu tauchen und dafür auch noch bezahlen zu dürfen, wollte ich nicht. Die Lust auf diesen Park war mir vergangen und ich beschloss, am nächsten Tag wieder an die Südküste von Grenada zu segeln. Dieser nächste Tag war regnerisch und mit einer sehr schlechten Sicht, so dass sogar wieder einmal der Radar zum Einsatz kam. Schliesslich sollte die SY AVENTURA nicht wie die „Dolly C“ stranden. Nach segeln gegen Wind und starker Strömung fiel der Anker schliesslich in der True Blue Bay. Diese liegt direkt westlich der Prickly Bay, ist jedoch – im Gegensatz zur Prickly Bay – bekannt für ein ruhigeres Liegen und kein Rollen. Mit dem Dinghy ist die Prickly Bay, und dort die Behörden, die Restaurants und der Minimart, gut erreichbar.

Anfang Juni war es Zeit, den Schlag nach Chaguaramas vorzubereiten. Inzwischen war ja die Offseason angebrochen, und da hat der Passat, welcher normalerweise stetig aus Ost weht, oft eine südliche Komponente drin. Dazu kommt der mit gut 3kn nach Nordwesten setzende Äquatorialstrom, welcher bedingt, den Kurs nach Trinidad entsprechend vorzuhalten, damit man nicht plötzlich in Venezuela landet. Damit diese Strecke nicht faktisch hart am Wind gesegelt werden muss, ist deshalb eine Windrichtung aus Ost, am besten noch mit einer nördlichen Komponente versehen, gewünscht. Dazu kommt noch das Timing für die Durchfahrt der Boca de Monos, der Meerenge zwischen Monos Island und der Halbinsel Chaguaramas, wo man möglichst keinen Gegenstrom haben möchte.

Soweit ging der Plan gut auf, ausser dass mit Insichtkommen von Trinidad der Wind stark abflaute und sich somit die Bootsgeschwindigkeit entsprechend reduzierte. Dadurch verspätete sich die Ankunft bei der Boca de Monos, und als SY AVENTURA dort eintraf, hatte es 3kn Strom auf die Nase. Aber dafür gibt es ja glücklicherweise die Maschine, welche die SY AVENTURA durch die Boca de Monos und bis zum Ankerplatz in Chaguaramas vor Peake Yacht Services schob. Hier viel der Anker und ich durfte mich auch sogleich mit der Trinidadschen Bürokratie zum Einlarieren anfreunden, welche etwas vom Mühsameren war, was ich bisher in dieser Beziehung erlebt hatte. Hier gallopiert der Amtsschimmel noch in voller Geschwindigkeit und die Staatsangestellten sind durchs Band unfreundlich, lahmarschig, generell desinteressiert und kennen nicht einmal ihre eigenen Prozesse. Kundenzufriedenheit? Weit gefehlt, die geht diesen Staatsangestellten meilenweit am Allerwertesten vorbei. Es kostete mich mehr als einen halben Tag, und einiges an Nerven, um diesen Dschungel aus Bürokratie und Unfähigkeit zu bewältigen. Im Vergleich zu den anderen Windward Islands, wo vielleicht 15-30 Minuten zur Erledigung der Einreiseformalitäten reichen, sind das Welten. Für das Ausklarieren aus Trinidad im November schwant mir jetzt schon Böses.

Die Chaguaramas Bay ist nicht wirklich idyllisch, sondern sehr industriell mit Grossschiffahrt und entsprechenden Auswirkungen auf die Wasserqualität. Tatsächlich schammen SY AVENTURA und weitere Nachbarboote eines Tages inmitten einer riesigen Ölache. Woher die Verschmutzung kam, intereressierte hier offenbar niemanden. Auch das Öl aus dem Meer zu bergen oder mindestens zu binden, machte sich niemand die Mühe. Jedenfalls ist in dieser Bucht weder Schwimmen, noch der Einsatz des Wassermachers zu empfehlen. Ich war froh, als SY AVENTURA endlich ausgewassert wurde, und ich die anstehenden Arbeiten am Schiff aufgleisen konnte.

Die Chaguaramas Halbinsel wird dominiert von der Yacht- und Schiffsindustrie. Peake Yacht Services, Power Boats und Crews Inn sind die grössten Serviceanbieter für die Yachties aus aller Welt. Hier sind hunderte von Yachten in den gut bewachten Yards auf dem Trockenen gelagert und es werden sehr professionelle Arbeiten zu einigermassen erschwinglichen Preisen angeboten.

Bis zur Carenage hatte ich es mit dem Bordbici geschafft. Nach Port Of Spain wäre es mit dem Bici zu weit, da ist der ÖV oder ein Taxi die bessere Wahl. Zu meiner Überraschung hatte es sogar einen komfortablen Velo- und Fussgängerweg, welcher parallel zur Strasse führte. So einen Veloweg hätte ich mir in Martinique auch gewünscht. Auf dem Weg zur Carenage fand ich „RAMPS“, welche bei Henry’s ungeplanter Einreise im Januar (siehe Transat) sehr hilfreiche Unterstützung lieferte und all den Behördenkram erledigte. Carenage selber machte einen eher abgerockten Eindruck, die Leute hingegen waren freundlich und hilfsbereit.

Mit Chaguaramas war das Ziel der ersten Etappe des Langfahrttörns erreicht. Von Juli 2025 bis Juni 2026 lagen mehr als 6000sm im Kielwasser von SY AVENTURA. Es gab sehr viele schöne und unvergessliche Erlebnisse, aber auch leider Bruch und Drama auf dieser Reise (siehe Transat). Langsam aber sicher nahte mein Flug in die Schweiz und ich freute mich darauf – nach langer Zeit – wieder Familie, Freunde und natürlich Isabel zu sehen und in die Arme schliessen zu können.

Martinique-Trinidad
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Saint Lucia, Saint Vincent and the Grenadines, Martinique

Am Ostersamstag traf Rico in Le Marin für einen zweiwöchigen Segeltörn ein und ich erwartete ihn bereits im KokoaRum für den ersten Planteur. Rico durfte wählen, ob der Törn nordwärts nach Guadeloupe und Antigua oder südwärts zu den Grenadines gehen soll. Die Wahl fiel auf die Grenadines, also ziemlich dieselbe Route, welche ich ein paar Wochen zuvor mit Isabel gesegelt bin.
Tags darauf klarierten wir aus und machten uns an die Überfahrt nach Saint Lucia. Es war schön, nach 11 Tagen in der Marina wieder zu Segeln und frische Seeluft zu schnuppern. Schnell kam Saint Lucia in Sicht und wir gingen in der Rodney Bay vor Anker.

Von der Rodney Bay ging es mit flottem Wind weiter zur Marigot Bay, welche Rico sehr gut gefiel. Geankert wurde in der Einfahrt zur Lagune und wir besuchten mit dem Dinghy RAFINE das Hurricane Hole und genossen einen exotischen Drink.

Um die gute kreolische Küche auszuprobieren, entschieden wir uns, im Château Mygo zu dinieren. Zwar schlossen wir den Niedergang von SY AVENTURA ab, liessen jedoch die Luken offen. Während unserer Abwesenheit nutzen dies findige Fledermäuse, um sich an unserem Früchtevorrat gütlich zu tun. Dies entdeckten wir jedoch erst am nächsten Morgen, als wir die Früchte zum Frühstück essen wollten.

Weil es so schön war, blieben wir noch einen Tag in Marigot Bay und gaben uns dem Müssiggang hin. Tags darauf ging es mit einem kurzen Schlag nach Soufriere, wo ich bei Clive eine Boje und für den Nachmittag eine Tour zum TET Paul Trail bei den Pitons reserviert hatte. Dieser Trail war einmal mehr wunderschön und es gab viel zu sehen. Dummerweise fehlte uns eine Machete, um die wilden Früchte zu ernten. Bei den Piton Heights gab es leider kein Piton Bier, da der Rasta-Verkäufer schon Feierabend hatte. „See the mountain, don’t drink the beer“. Island time halt.

Auch Soufriere wurde besichtigt und an einer Strassenecke ein Barell Chicken mit kreolischer Sauce probiert.
Tags darauf ging es schon früh los, so dass wir die knapp 60sm nach Bequia bei Tageslicht segeln konnten. Wir segelten im Luv von Saint Vincent durch, hatten da aber um die 2kn Gegenstrom. Trotzdem erreichten wir noch bei komfortablen Tageslicht Port Elizabeth und ankerten in der Admirality Bay. Den Sundowner hatten wir uns redlich verdient.

Nach dem üblichen Behördenbesuch – wir staunten einmal mehr, wie langsam man da tatsächlich arbeiten kann – ging es Anker auf. Das nächste Ziel waren die berühmten Tobago Cays, welche einfach unglaublich schön sind. Die Farbenpracht des Wassers kommt bei hochstehender Sonne ganz besonders zur Geltung. Natürlich hatte es auch dieses Mal wieder viele (Charter)Yachten, es hatte jedoch genügend Platz, um sicher zu ankern. Wir beschlossen, die Schönheit dieses Marine Parks während zwei Tagen zu geniessen.

Mit dem Dinghy RAFINE besuchten wir die kleine Insel Petit Tabac, welche ausserhalb des Horseshoe Reefs liegt. Also suchten und fanden wir den Dinghy Pass durch das Riff und setzen RAFINE auf den Strand. Im Film „Pirates of the Caribbean“ wurde auf Petit Tabac die Szene gedreht, in welcher Captain Jack Sparrow und Elizabeth Swann auf einer einsamen Insel (Rumrunner’s Isle) ausgesetzt wurden. Dort fanden sie ein verstecktes Rum Lager, welchen Jack und Elizabeth in der Nacht am Feuer tranken. Später zündete Elizabeth den Rum an (wie schade), um mit einem grossen Rauchsignal ein Schiff auf sich aufmerksam zu machen. Nun, wir haben weder Rum noch Lagerfeuer gefunden, dafür uneingeschränkt schöne Natur. Später machte ich am Horseshoe Reef noch einen kleinen Tauchgang und Rico entdeckte die Unterwasser Welt beim Schnorcheln. Wie meistens in den Tobago Cays, hatte es auch diesmal eine starke Strömung, welche beide Unterfangen nicht so einfach machte. Bei Big Mama am Lobster BBQ Strand auf Petit Rameau erstanden wir später eine Languste, welche wir uns als Dinner zu Gemüte führten.

Am nächsten Tag beobachteten wir, wie der Schoner WYLDE SWAN zuerst durch die schmale Passage zwischen Horseshoe Reef und Petit Tabac segelte, also exakt jene Passage, durch welche wir am Vortag mit dem Dinghy fuhren, um dann durch die Riffe von Süden her die Tobago Cays anzusteuern. Ich fand das relativ riskant, zumal noch mit einem so grossen Schlappen, insbesondere, wenn man die starken Strömungen bedenkt. Mit drei Metern Tiefgang ist man schnell aufgelaufen. Die Ausfahrt durch die südlichen Riffe ist hingegen etwas einfacher, da die Sonne von achtern die Untiefen gut beleuchtet. So fuhren auch wir durch die südlichen Riffe auf direktem Weg nach Clifton Harbor auf Union Island. Der vor ein paar Wochen gestrandete Katamaran von Dream Yacht Charter war inzwischen von Riff geborgen worden.

Von Union Island ging es wieder Richtung Norden nach Canouan, wo wir im Beach Club von L’Anse Guyac einen Rumpunsch genossen. Wiederum waren wir die einzigen Gäste Am nächsten Tag kreuzten wir zur Britannia Bay in Mustique. Hier, auf der Privatinsel der Reichen und Prominenten, liegt die berühmte Basil‘s Bar, welche wir gleich mehrfach besuchten. Im Vergleich zum Beach Club von L’Anse Guyac sind die Drinks hier spottbillig. Auch die Jump Up Night liessen wir uns nicht entgehen. Die Band spielte entspannt auf und kam beim Publikum gut an.

Turtle at Britannia Bay, Mustique

Der Schlag von Mustique nach Vieux Fort auf Saint Lucia war ein langer Kurs hart am Wind und hatte uns gut durchgeschüttelt. Weiter ging es im Lee von Saint Lucia, vorbei an den Pitons nach Martinique, wo auf der Reede vor Saint Anne das Eisen in den Sand fiel. Hier blieben wir noch einen Tag zum Tauchen und Schnorcheln an den umliegenden Riffen.

Nach einem letzten morgendlichen Schwumm, verlegten wir SY AVENTURA an den Steg bei INOXALU, und Rico bereitete seine Abreise in die Schweiz vor. Zwei schöne Segelwochen lagen im Kielwasser, und haben uns sehr gut gefallen. Die Zeit verging viel zu schnell und schon wartete das Taxi, welches Rico zum Flughafen und seinem Rückflug in die Schweiz brachte.

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Saint Lucia, Saint Vincent and the Grenadines, Grenada, Martinique

Die Überfahrt von Martinique nach Saint Lucia war ein Genuss – endlich wieder Segeln nach über drei Wochen Reparatur Marathon. Schnell war die Rodney Bay erreicht, und SY AVENTURA ging in der grossen Bucht vor Anker. Rodney Bay ist das Ziel des alljährlichen ARC (Atlantic Race for Cruisers), welches in Las Palmas am letzen Sonntag im November startet und 2025 zum vierzigsten Mal stattfand. Das Dinghy RAFINE wurde gesattelt, um an Land die Einklarierungs Formalitäten zu erledigen und einen ersten Rumpunsch zu probieren.

Der nächste Halt war ein paar Meilen weiter in Castries, der Hauptstadt und der wichtigste Hafen von Saint Lucia. Castries ist Hafenstadt und Handelszentrum: es werden unter anderem Bananen, Zuckerrohr, Rum und tropische Früchte exportiert. Castries ist ein beliebter Kreuzfahrthafen und tatsächlich lagen da auch zwei Kreuzfahrer, einer davon die Queen Elizabeth. Entsprechend viele Touristen hatte es in der Stadt. Castries war nicht wirklich beeindruckend, lärmig, heiss mit viel Verkehr und einigem herumlungernden Volk auf der Strasse. Im zentralen Markt, welcher bunte Stände mit lokalen Produkten, Gewürzen, Kunsthandwerk und Streedfood bietet, deckten wir uns mit frischen Früchten und Gemüse ein. Einen dringend benötigten Haarschnitt erhielt ich bei Don‘s Barbershop. Das war ein Erlebnis der besonderen Art, bei der ich nicht nur wie ein Schaf geschort, sondern auch noch rasiert wurde. Wahrscheinlich meinte Don, dass dies nötig sei.

Der Ankerplatz in der Vielle Ville Bay war eher ungemütlich, so dass wir uns entschieden, ein paar Meilen weiter in die Marigot Bay zu segeln. Hier gingen wir kurz nach dem Marigots Point, neben der Einfahrt in die Lagune, vor Anker. Da es bereits einige Ankerlieger hatte, brauchten wir etwas Geduld, bis das Eisen wirklich hielt. Ein toller Sonnenuntergang entschädigte uns für die Mühe. Noch am Abend, aber auch bereits frühmorgens, preschten die Speedboote mit Vollgas in Zwiback-Wurfdistanz an SY AVENTURA vorbei, so dass es ratsam war, nur ganz nahe beim Schiff zu schwimmen, um von den Rasern nicht überfahren zu werden.

Tags drauf – an Isabels Geburtstag – verlegten wir SY AVENTURA in die Lagune an eine Boje. Die Marigot Bay ist eine der schönsten Buchten in der Karibik, beliebt bei Seglern, und ein natürlicher Schutzraum für Schiffe (Hurricane Hole). Sie ist nicht nur landschaftlich spektakulär, ihre geschützte, tief eingeschnittene Lage machte sie über Jahrhunderte auch strategisch wichtig. In der Kolonialzeit war Saint Lucia stark umkämpft zwischen Frankreich und Grossbritannien. Der Legende nach versteckten die Briten hier ihre Schiffe, indem sie die Mastspitzen und die Einfahrt mit Palmwedeln tarnten, um die französische Marine zu täuschen. 1814 übernahm Grossbritannien endgültig die Kontrolle über Saint Lucia und Marigot Bay verlor die militärische Bedeutung. 1967 erhielt Marigot Bay internationale Aufmerksamkeit durch den Film „Doctor Dolittle“, welcher teilweise dort gedreht wurde.

Zur Feier des Tages gönnten wir uns im Hurricane Hole exotische Drinks und später im Chateau Mygo, einem guten Restaurant direkt an der Waterfront, ein vorzügliches Dinner mit kreolischen Köstlichkeiten.

Danach ging es wenige Meilen weiter nach Anse la Raye, einem kleinen Fischerdorf mit ebenso kleiner Bucht, welche – neben all den winzigen Mooringbojen der Fischer – noch Platz für einige wenige Ankerlieger bietet. Der Ort ist berühmt für das „Friday Night Fish Fry“, wo jeweils am letzten Freitagabend am Monatsende an einem Strassenfest frischer Fisch, Hummer und gegrillte Meeresfrüchte feil geboten werden. Zudem gibt es karibische Musik und Tanz. Der Anlass ist beliebt bei Einheimischen und Besuchern gleichermassen. So zumindest stand es im Revierführer.

Vor dem „Friday Night Fish Fry“ beobachteten wir frühmorgens die Rückkehr der Fischer von ihrem nächtlichen Streifzug. Und tatsächlich hielt ein Boot auf SY AVENTURA zu und bot uns einen schönen Tuna zu einem akzeptablen Preis an. Also schlug ich ein und schon bald ging es ans Ausnehmen, Filetieren, Portionieren und Vakuumieren des Einkaufs. Später gab es noch frisches Sashimi vom filetierten Tuna als Belohnung für den blutigen Job.

Am Abend setzten wir hoffnungsvoll mit dem Dinghy an Land über, um das berühmte „Friday Night Fish Fry“ zu geniessen. Aber welch eine Enttäuschung: der Event war abgesagt, und dies nachdem die Fischer am selben Morgen noch sagten, er finde statt. Karibik halt. So besuchten wir notgedrungen eine lokale Bar, um mit einem Piton Bier den Frust runter zu spülen. Nach der Rückkehr auf SY AVENTURA gabs dann auch „Fish Fry“, aber halt aus der Bordküche.

Am nächsten Morgen ging es ankerauf und ein paar wenige Meilen weiter nach Soufrière, mit den berühmten Pitons, zwei markante, steil aufragende Vulkankegel (Gros Piton – ca. 798müM, Petit Piton – ca. 743müM). Die Pitons entstanden vor etwa 200,000 – 300,000 Jahren und gehören zum UNESCO Weltnaturerbe. Die Pitons zählen zu den bekanntesten Wahrzeichen von Saint Lucia und sind auch auf der Nationalflagge verewigt.

Soufrière bietet sich an, um die Landschaft, insbesondere die Pitons und die vulkanischen Besonderheiten zu erkunden. Wir buchten eine Tour: den Tet Paul Trail, eine schöne Wanderung zwischen den Pitons mit tollem Ausblick, ein Besuch bei den Sulphur Springs mit brodelnden Schwefelquellen und heissem Schlamm (in welchem auch gebadet wurde) und ein Spaziergang durch exotische Flora bei den Diamond Waterfalls. Das war alles sehr eindrucksvoll und wir hatten auch Wetterglück.

Weiter ging es in Richtung Süden, wo bei Laborie das Eisen zwischen den Riffen fiel. Laut Karte und Plotter hätte es Baken haben sollen, welche die Einfahrt markieren. Dem war leider nicht so, so dass nach Auge navigiert werden musste, mit den Riffen ziemlich nahe. Leider war dieser Ankerplatz recht rollig und alles andere als idyllisch, die Nacht war entsprechend unangenehm.

Frühmorgens am nächsten Tag starteten wir die Überfahrt nach Bequia. Da es stärker als erwartet blies, fuhren wir im Lee von Saint Vincent durch, und hatten dabei viel Spass am „zersegeln“ der Charterkatamarane. Mit 8-9kn Fahrt preschten wir an den Kats vorbei und erreichten die Admirality Bay und Port Elizabeth am frühen Nachmittag.

Port Elizabeth ist ein charmantes kleines Hafenstädtchen mit karibischer Atmosphäre. Im 17. und 18. Jahrthundert wechselten die Grenadinen mehrfach zwischen französischer und britischer Kontrolle. Nach dem Treaty of Paris von 1763 fiel Bequia dauerhaft an Grossbritannien. Die Briten begannen daraufhin mit der Plantagenwirtschaft, der Ansiedlung europäischer Kolonisten und dem Import versklavter Afrikaner zur Arbeit auf den Plantagen. Port Elizabeth wurde schnell zum Hafen und zur Versorgungsstation für Schiffe. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Bequia zu einem Zentrum des Walfangs. 1979 wurde Bequia Teil des unabhängigen Staates Saint Vincent and the Grenadines. Heute ist Port Elizabeth ein beliebter Treffpunkt für Segler aus der ganzen Karibik. Berühmt sind auch die Rum Punsch im Whaleboner oder im Frangipani.

Als nächstes fiel der Anker in der ruhigen Rameau Bay auf Canouan. Hier waren wir für einmal geschützt vor dem ständig mit 5-6Bft wehenden Passsat. Die Bucht bot einen schönen Blick zum Glossy Gill, wo in der Nacht ein riesiges Plakat aufleuchtete mit der Aufschrift „Sandy Lane Yacht Club“. Schnell fanden wir heraus, dass es sich dabei um einen exklusiven Beach- und Yachtclub an der Sandy Lane Beach handelte. Natürlich mussten wir dies tags darauf genauer erkunden und fanden eine praktisch leere Marina für Superyachten vor. Deren Gäste können bequem mit dem Privatjet auf dem gleich neben der Marina liegenden Flugplatz landen und die Yacht boarden. Wir entschieden, eine Nacht in der Marina zu bleiben und uns diesem luxuriösen Leben hinzugeben.

Diniert hatten wir allerdings an Bord von SY AVENTURA, da die Preise im Restaurant exorbitant hoch waren und die Bordkasse nach den Drinks im Beach Club schon arg strapaziert war.

Weiter ging die Fahrt zu den berühmten Tobago Cays, einem geschützten Marine Park, eingebettet in wunderschönen Riffen, allen voran das Horseshoe Riff und das Worlds End Riff. Das Farbenspiel des Wassers ist einzigartig, von dunkelblau über türkis bis hellblau oder eben braun, was ein darunter liegendes Riff signalisiert. Wegen all den Riffen musste der Navigation besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Riffe sind kielhungrig und sind schon so mancher Charteryacht zum Verhängnis geworden. Dies sollten wir später auch noch sehen.

2016 war ich zuletzt hier. Es hat sich einiges verändert: wo früher geankert wurde liegen heute Bojen, neben der Marine Park Gebühr soll auch für das Ankern bezahlt werden und das traditionelle Lobster BBQ am Strand kostet inzwischen ein kleines Vermögen. Die Tobago Cays sind ein Must-See Spot und so fährt auch jede Charteryacht hierher. Trotz all der eher – aus meiner Sicht – negativen Entwicklung ist es aber immer noch sehr schön hier. Und natürlich haben wir auch am Lobster BBQ teilgenommen.

Von den Tabago Cays ging es bei Starkwind und mit Rainsqualls weiter nach Clifton Harbor auf Union Island. Hier klarierten wir aus Saint Vincent and the Grenadines aus und genehmigten und zur Belohnung in der Bar des Bougainvilla – wo das Dinghy RAFINE parkte – einige Rum Punsch, welche sehr gut schmeckten. In entsprechend heiterer Stimmung ging es zurück zur SY AVENTURA, wo es am Anker um die 25kn blies, und dies während der ganzen Nacht. Tags darauf folgte die kurze Überfahrt nach Carriacou zur Tyrell Bay, wo wir in Grenada einklarierten. Ich hatte schon bei früheren Törns in den Windward Islands festgestellt, dass die südliche „Grenze“ für Charterboote Union Island ist. Auch dieses Mal waren in der Tyrell Bay nur Eignerboote oder einheimische Boote zu sehen, einige davon in erbärmlichem Zustand. Abgemastete Yachten, wahrscheinlich veruracht durch den Hurrikan Beryl – welcher im Juni/Juli 2024 mit über 250km/h über die Karibik fegte und mehr als 70 Tote und Schäden von über 9 Milliarden USD verursachte – lagen einige an Bojen oder vor Anker. Ob diese jemals wieder instand gestellt werden, ist fraglich. Beim Landgang entdeckten wir einen überraschend gut sortierten Supermarkt, und deckten uns mit einigen Lebensmitteln ein.

Weiter ging die Fahrt zur Insel Grenada, und da zu St. David‘s Harbor. Wir segelten an Grenadas Ostküste entlang, also auf der Luvseite der Insel, und passierten kleine Inseln oder Felsen, welche mit der tosenden Brandung sehr spektakulär wirkten. Die Einfahrt zwischen den Riffen mit gehöriger Brandung nach St. David‘s Harbor war nicht so einfach, und ist nur bei hochstehender Sonne und mittels Eyeball Navigation zu empfehlen. Drinnen fiel das Eisen in den Schlick und hielt sofort. Wir waren die einzige Yacht vor Anker, und ein Besuch an Land bestätigte den Eindruck eines „Lost Places“. Wir lernten noch Schweizer kennen, welche hier ihre vierzig Jahre alte AMEL Maramu bereit machten, um nach Guadeloupe zu segeln. Leider waren sie zu beschäftigt, als dass wir uns gemütlich hätten unterhalten können.

Wir beschlossen, etwas belebtere Buchten anzulaufen. Auf dem Weg zum nächsten Ankerplatz in der Clarkes Court Bay, segelten wir jedoch zuerst nach Port Egmont, einem der besten Hurricane Holes in der Karibik. Port Egmont liegt sehr versteckt, und die Bucht ist mit Magroven umsäumt. Tatsächlich lagen hier ein paar Yachten vor Anker. In der Clarkes Court Bay angekommen, entschieden wir uns für eine ruhige Ecke, wo jedoch schon einige Yachten an Bojen lagen. Erst später bemerkten wir, dass die meisten dieser Bojenlieger gar nicht belebt waren. Der Verbleib der Besitzer dieser Yachten, alle mit ausländischer Flagge, war uns ein Rätsel.
Nur eine Dinghy Fahrt entfernt liegt Phare Bleu, eine kleine Marina mit Boutique Resort, welche wir besuchten. Das namengebende Feuerschiff liegt am Steg vertäut und macht einen schmucken Eindruck. Marina und Resort gehören Dieter Burkhalter und Jana Canica, der früheren 10 vor 10 Moderatorin und Migros Kulturchefin. Resort und Marina machten einen gepflegten Eindruck, und der Lebensmittelladen war ebenfalls bestens sortiert.

Die Clarkes Court Bay mit Hog Island und verschiedenen Buchten ist recht gross, kann aber mit dem Dinghy gut erkundet werden. Wir fuhren mit dem Dinghy RAFINE durch die Riffe, und umrundeten Hog Island. Sobald der Windschutz der Insel wegfällt, wird so eine Fahrt rasch zu einer nassen Angelegenheit. Wieder auf SY AVENTURA angelangt, kam der am Vortag kennengelernte Boatboay Vision vorbei und lieferte uns die bestellte Languste. Das gab ein herrliches Festmahl an Bord.

Weiter ging die Fahrt nach St. George’s, der Hauptstadt von Grenada. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir auch noch die bekannte Prickly Bay, in welcher viele Boote ankerten. Prickly Bay hat eine aktive Cruiser Community, welche jeden Morgen um 0730 auf VHF66 ein Bulletin sendet, bestehend aus Wetterbericht, new Arrivals, new Departures, Social Events, Seglerbörse etc. Bald tauchte St. George’s auf, dessen Einfahrt durch das Fort George gut bewacht ist. Die Marinas von Port Louis und vom Grenada Yacht Club besichtigen wir vom Wasser aus, entschieden uns aber – in Ermangelung von Ankermöglichkeiten – in der Martin’s Bay eine Boje zu belegen. Mit RAFINE legten wir am Dinghy Dock des Grenada Yacht Club an, und starteten eine erste Besichtigung von St. George’s.

Für den nächsten Tag hatten wir einen Fahrer für eine Inselrundfahrt gebucht. Miguel machte einen guten Job und zeigte uns schöne Sehenswürdigkeiten von Grenada. Leider war das Wetter nicht auf unserer Seite, es regnete meistens. Nichtsdestotrotz fuhren wir zum Mount Saint Catherine, dem mit knapp 700müM höchsten Berg Grenadas. Ein Ausflug zum Grand Etang National Park, einem Kratersee im tropischen Regenwald, liess die Schönheit der Natur im strömenden Regen nur erahnen. Der mit ca. 25m höchste Wasserfall der Insel – der Tufton Hall Waterfall – wurde besichtigt. Mutige Jumper springen – offenbar aber nur bei schönem Wetter – über die Klippen in den Fluss. Natürlich durfte ein Besuch in der berühmten Schokoladen Fabrik Belmont Estate nicht fehlen. Das Gut war beeindruckend, und trotzdem kein Vergleich zu Lindt und Sprünglis House of Chocolates. Da ist noch Raum nach oben. Bei den Schwefelquellen trafen wir einige dort rumhängende Rastamen, welche sich bei lauter Reggae Musik die Lampe füllten. Was uns jedoch nicht daran hinderte, an der Bar auch ein Caribe zu trinken. Beim alten Airfield entdeckten wir Flugzeug Wracks aus der Zeit von Grenadas Revolution, anfangs der 1980er Jahre. Die Maschine der Aeroflot ist endgültig gestrandet. Der Trip endete wieder beim Grenada Yacht Club, und nach einer kleinen Stärkung ging es mit RAFINE wieder zurück zur SY AVENTURA.

Langsam war es an der Zeit, die Rückfahrt nach Martinique zu starten. Wir liessen St. George’s hinter uns, und weil die Westküste Grenadas nautisch nicht viel zu bieten hat, wollten wir direkt nach Carriacou zur Tyrell Bay segeln. Durch ein Atlantikhoch war der Passat deutlich stärker als üblich, und so war die Segelei im Lee von Grenada mühsam: von 7-27kn Wind, böig und drehend wie der Wester im Luzerner Seebecken. Schnell riss mein Geduldsfaden und die Maschine musste uns die Küste, gegen inzwischen über 30kn Wind, hoch arbeiten. Im Norden von Grenada kam noch ein Gegenstrom dazu, so dass die Fahrt gegen Wind, Welle und Strom kein Vergnügen mehr war. Erst bei der London Bridge, einer natürlichen Felsbrücke, welche über Jahrtausende von Erosion durch Wind und Wellen entstanden ist, konnten wir Segel setzen und hart am Wind nach Carriacou segeln. Nach diesem harten Ritt schmeckte das Ankerbier in der Tyrell Bay dafür umso besser.

Weiter ging es, nochmals hart an der Kreuz bei Starkwind nach Union Island. In Clifton Harbor staunten wir nicht schlecht, als wir einen Katamaran von Dream Yacht Charter auf dem Riff parkiert vorfanden. Dessen Seereise hatte hier ein abruptes Ende genommen. Nach dem Behördengang und einer weiteren windreichen Nacht am Anker, ging unsere Reise weiter nach Canouan, wo in der ruhigen Rameau Bay das Eisen fiel. Bei der Entdeckungstour mit dem SUP fanden wir einen einsamen Strand in der L’Anse Guyac mit einer schicken Beach Bar. Wir waren weit und breit die einzigen Gäste. Ob sowas wirklich rentiert?

Die nächste Etappe führte uns nach Mustique, der kleinen exklusiven Insel, bekannt für Luxus, Privatsphäre und prominente Gäste. So besitzen Mick Jagger, Bryan Adams und andere Reiche und Prominente hier ein Anwesen. In der Britannia Bay sind Bojen für die Besucheryachten ausgelegt. Viele Chartercrews machen hier einen Stopp und vergnügen sich abends in Basil’s Bar. Diese Bar ist legendär für Sundowners und die Jump Up Nights. Wir trafen am Bojenplatz die S/Y ROLLY, eine AMEL54, mit den Eignern Patrick und Milca aus Ascona, mit welchen wir uns schnell anfreundeten. Natürlich besuchten wir zusammen Basil’s Bar für den Sundowner und tauschten unsere Erfahrungen über das Leben auf Langfahrt aus.

Von Mustique segelten wir weiter nach Saint Lucia und Martinique. Nach einem Stopp auf der Reede in Saint Anne, mit den nötigen Behördengängen in Le Marin, ging die Fahrt weiter in die ruhige Grande Anse d‘Arlet, wo das Eisen in den Sand viel. Die gemütliche Atmosphäre der Bucht gefiel uns sehr, doch schon tags darauf ging die Fahrt wieder zurück nach Saint Anne.

Ich hatte wieder einen Platz in der Marina Le Marin reserviert, auch weil hier noch ein paar Reparaturen an SY AVENTURA von den Schäden der Transat fertig gestellt werden mussten. Und leider nahte auch Isabel’s Abreise zurück in die Schweiz. Die Arbeit und weitere unaufschiebbare Aufgaben ruften. Dieses Mal werden bis zu einem Wiedersehen ein paar Monate vergehen, und der Abschied viel entsprechend schwer.

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Transat – Martinique

Nach dem Jahreswechsel reiste Henry aus Luzern an und am Abend verliess uns Isabel, um in die winterliche Schweiz zurück zu fliegen.

Schon bald starteten wir mit den Vorbereitungen für die Atlantiküberquerung: Verproviantierung, Wachplan, Sicherheitseinweisung, Funktionschecks und fleissiges Studieren des Wetterberichts beschäftigten uns.
Zudem gab es noch ein paar Baustellen zu schliessen: der Bumper am Heck brauchte einen neuen Anstrich, der Wellen-Alternator einen neuen Spannungsregler etc.
Der Einkauf mit Verstauen aller Nahrungsmittel nahm fast einen ganzen Tag in Anspruch. Fein säuberlich wurden die Portionen abgepackt, vakuumiert und in der Gefriertruhe verstaut. Früchte und Gemüse lagerten wir in Netzen. Der Reifegrad des Gemüses bestimmte den Menuplan.

Geduldig warteten wir das passende Wetterfenster ab, und am 9. Januar 2026 hiess es endlich “Leinen los”: der Start zu unserer Transat begann, etwa 2800sm nonstop lagen vor dem Bug. Es sollte eine unvergessliche Reise werden, jedoch total anders als wir uns das vorgestellt hatten.

Las Palmas lag hinter uns und bald wurde Gran Canaria immer kleiner, bis es schliesslich hinter dem Horizont verschwand. Schnell gewöhnten wir uns an den Wachrythmus und genossen den konstanten achterlichen Wind. Mit der Passatbesegelung, also Genua und Ballooner jeweils ausgebaumt, kamen wir gut und zügig voran.

Natürlich wollten wir auch Fische, genauer Goldmakrelen (Mahi Mahi) oder Thunfische fangen. Als Novizen im Fischen versprach dies ein ganz besonderer Challenge zu werden. Nur schon die Auswahl des richtigen Köders, die Schleppdistanz zum Schiff, abhängig von der Geschwindigkeit: alle Angaben mussten zuerst im Internet gesucht werden, was dank Starlink auch ohne Probleme möglich war.

Die Reise schien jedoch unter einem unglücklichen Stern zu stehen: nicht nur, dass wir einen Köder und Haken nach dem anderen verloren, auch das Wetter war uns nicht günstig gesinnt und der Defekt- und Bruchteufel schien ebenfalls mit an Bord zu sein.

In der Nacht frischte der Wind jeweils auf >30kn auf, war böig und drehend, wie man es sich sonst beim Passat nicht gewohnt ist. Dazu verfolgten uns die Rainsqualls mit bösartiger Hartnäckigkeit. Nach mehrmaliger nächtlicher Bergeaktion des Ballooners, war es dann soweit, dass der Steuerbord-Passatbaum brach, und unter den Rumpf gezogen wurde. Von dort war er nicht mehr an Bord zu kriegen und eine Tauchaktion auf dem offenen Atlantik bei diesem Seegang war zu riskant. Folglich reiste der Passatbaum – unter Wasser und ständig an den Rumpf hämmernd – ca. 1400sm bis in die Karibik mit. Bei diesem Bruch ging auch der zugehörige Jockey Pole über Bord, da bei dessen Befestigung am Mast gleich alle vier Nieten brachen. Und last but not least, schafften wir es, in der stockfinsteren Nacht, noch eine Leine der Passatbaum-Befestigung im Propeller einzufangen.

Diesem Pech folgte jedoch zwei Tage später am 17. Januar 2026, noch weit schlimmeres Unglück: durch den heftigen Seegang stürzte Henry, eine Stunde vor Ende seiner Morgenwache, unglücklich und brach sich dabei den Oberschenkelhals. Für diese Diagnose waren meine Tochter Nina und ihr Partner Andrin – beide von Beruf Rettungssanitäter – eine grosse Hilfe: das Assessment fand per Videocall (Starlink sein Dank!) statt, und die beiden waren sich mit ihrer Diagnose zu 99% sicher. Nun hatten wir eine veritable Notsituation an Bord: 1400sm vor dem nächsten möglichen Anlaufhafen, mitten auf dem Atlantik bei schwerem Wetter, mit einer Verletzung, welche schnell – durch eine Thrombose – lebensbedrohlich werden konnte. Es war klar, dass Henry von der SY AVENTURA abgeborgen werden musste. Also nahm ich mit dem MRCC Bremen Kontakt auf, um eine Abbergung in die Wege zu leiten. Das Problem wurde an das MRCC Dakar abgegeben, welches jedoch nicht kein geeignetes Schiff finden konnten. Eine Abbergung per Helikopter, auf die ich zuerst gehofft hatte, erwies sich als unmöglich: wir waren zu weit draussen auf dem Atlantik, als dass es ein Helikopter bis hierher und wieder zurück zu den Kapverden geschafft hätte.

Also ging das Problem wieder zurück zum MRCC Bremen, welches mich dann mit dem MRCC Punta Delgada verband. Dort erwartete mich ein sehr kompetenter Rettungsdienst, welcher – nach einem medizinischen Fern-Assessment mit einer Ärztin – eine sofortige Abbergung einleitete. Das MRCC Punta Delgada fand rasch ein Forschungsschiff, welches ca. 150sm nordwestlich von uns fuhr und leitete es zu uns um. Bald war ich in Kontakt mit dem Captain und wir besprachen, dass die Abbergung bei Tageslicht stattfinden sollte. Das Forschungsschiff stiess noch in der Nacht zu uns und begleitete SY AVENTURA in einer Seemeile Abstand.

Nach dem ersten Tageslicht des 18. Jabuar 2026 wurde die Abbergeaktion gestartet, welche höchst haarig, riskant und für Vater und Sohn sehr emotional ablief. Bei 25-30kn Wind setzte das Forschungschiff zuerst ein RIB ab, welches den Rettungssanitäter, eine weitere Person und entsprechende Rettungsmittel an Bord von SY AVENTURA brachte. Nur schon dieses Übersteigen der Rettungscrew war riskant und endete für den Rettungssanitäter beinahe im Wasser. Anschliessend wurde Henry untersucht und Ninas und Andrins Ferndiagnose bestätigt.

Was nun folgte, führte alle Beteiligten an ihre Grenzen. Es war klar, dass man Henry auf der Rettungsbahre nicht ins RIB brachte, weil der Höhenunterschied der Freiborde zu gross war. Also schickte das Forschungsschiff ein grösseres Rettungsboot, mit einer ähnlichen Grösse wie das Boot der Luzerner Wasserschutzpolizei. Die Freiborde waren ähnlich hoch und ein Transfer der Bahre mit Henry drauf eher machbar.

Jetzt ging es ans Eingemachte: Henry wurde ein starkes Schmerzmittel verabreicht, so dass wir ihn mit vereinten Kräften aus dem Salon heraus, den Niedergang hoch bringen, und schliesslich auf die Bahre schnallen konnten. Diese Übung bereite Henry arge Schmerzen, welche er jedoch tapfer erduldete. Ihm wurden auch noch eine Rettungsweste und ein Helm angezogen, und wir machten uns bereit, Henry ins Rettungsboot zu transferieren. Just in diesem Moment frischte es auf 35kn auf, und wir mussten abwarten. Diese Warterei war sehr nervzerrend und emotional. Es war allen klar, dass – bei einem Scheitern des Transfers – Henry mit der Bahre ins Meer stürzen, und dort trotz Rettungsweste sehr wahrscheinlich untergehen würde. Wir hatten nur einen Versuch und der musste einfach klappen. Das Forschungsschiff versuchte einige 100m vor uns, den Wellengang zu glätten, was möglicherweise auch gelang. Jedenfalls hatten wir diese Zone erreicht, immer noch mit 6-7kn Fahrt, und die Trage mit Henry drauf wurde, ich kann es nicht anders sagen, ins Rettungsboot hinüber geschossen. Die Landung auf dessen Boden war hart und sicher schmerzhaft, jedoch sicher besser als ein Sturz ins Meer. Rasch wurden noch das vorbereitete „Reisegepäck“ ins Rettungsboot hinübergereicht und schon war Henry auf dem Weg zum Forschungsschiff und einer guten medizinischen Versorgung.

Die Rettungsaktion hatte an SY AVENTURA einige Spuren hinterlassen. Dies war jedoch bloss Material und eine Sache für die Versicherung. Ich war heilfroh, dass die Bergungsaktion erfolgreich verlaufen ist, und mein Vater mit dem Forschungsschiff schnell unterwegs nach Trinidad ins Spital war. In der Schweiz waren unter der Federführung von Nina, Isabel und Rico für die Koordinierung mit der Unfallversicherung und mit der REGA zuständig.

Diese Transat war ein Vater/Sohn Projekt, Henrys letzte grosse Seereise, und der krönende Abschluss seiner Seglerzeit auf dem Meer. Dass diese in so einem Seenotfall enden würde, hätte sich vorher niemand vorstellen können. Ich bedauerte sehr, dass Henry die Karibik nicht segelnd auf der SY AVENTURA erreichte, und die Schönheit der Karibik erleben konnte. Trotzdem hatten wir beide ein gemeinsames Erlebnis, welches wir zeitlebens nicht mehr vergessen würden. Zum Glück ist die Abbergung gut ausgegangen.

Somit war ich nun alleine an Bord und für die nächsten 1400sm plötzlich Einhand unterwegs. Zuerst musste ich das soeben Erlebte mal verdauen, bevor ich mich um Weiteres Gedanken machen konnte.

Allzuviele Optionen hatte ich nicht, als nach Martinique durchzusegeln. Und zu hoffen, dass bis dorthin alles Material halten würde. Martinique ist der AMEL Stützpunkt in der Karibik, und ich hoffte, dort kompetente Fachkräfte mit entsprechendem Ersatzmaterial und AMEL Know How für die nötigen Reparaturen zu finden.

Das Wetter war weiterhin ein Challenge, böiger, drehender Wind, welcher jeweils eine Anpassung des Kurses oder der Segelstellung verlangte. Dazu kamen – vorwiegend nachts – Rainsqualls mit >30kn Wind, was nicht gerade schlaffördernd war. Auch tagsüber frischte der Wind immer wieder mal auf >30kn auf.

Am 22. Januar 2026 erreichte das Forschungsschiff Trinidad, und Henry konnte endlich ins Spital gebracht werden. Vorher, das Forschungsschiff war noch unterwegs, ging jedoch ein Theater um Henrys Einreise los: die Immigration wollte Garantien, dass die für den Transport und die Behandlung entstehenden Kosten wirklich gedeckt waren. Schliesslich kriegten wir, also Henrys persönliche Shore- und Offshore Crew, auch das hin, und er durfte in Trinidad einreisen. Bald erreichte er mit der Ambulanz das St. Claire Medical Center in Port of Spain und wurde von Dr. Toby untersucht. Die Röntgenbilder gaben die letzte Gewissheit, dass der Oberschenkelhals tatsächlich gebrochen war.

Eine Operation in Trinidad war keine Option, und so organisierten Nina und Isabel einen REGA Transport in die Schweiz, welcher für den 29. Januar 2026 geplant war. Somit musste Henry noch eine Woche in Trinidad ausharren, bis er endlich in die Schweiz zurückkehren konnte.

Während ich meinen Vater in Trinidad vom St. Claire Medical Center und von der Honorarkonsulin des EDA gut betreut wusste, und auch seine Rückkehr in die Schweiz aufgegleist war, segelte ich immer noch Einhand auf dem Atlantik in Richtung Martinique. Obwohl das Wetter langsam besser wurde, störten doch immer wieder die Rainsqualls, natürlich immer nachts, eine ruhige Fahrt und meinen Schlaf, was mit der Zeit ziemlich nervte. Der Radaralam weckte mich jeweils rechtzeitig, um die Segelfläche zu reduzieren und den Kurs anzupassen, bevor es wieder mit Böenspitzen von >40kn blies. Trotzdem kehrte eine gewisse Routine in den Tagesablauf ein und ich zählte die noch verbliebenen Meilen und Tage bis zum ersehnten Landfall in Martinique.

Wellentanz nonstop…

Am 27. Januar um 1355 fiel endlich der Anker auf der Reede vor St. Anne. 2902sm lagen hinter mir, welche in 18 Tagen gesegelt wurden. Was für eine Reise, welche ich mir in meinen kühnsten (Alb)Träumen nicht hätte vorstellen können. Immerhin war ich mit SY AVENTURA sicher in Martinique angekommen und es war beruhigend zu wissen, dass die REGA bereits in Trinidad angekommen war, um Henry bald in die Schweiz zu repatriieren. Die Honorarkonsulin vom EDA half beim Checkout im St. Claire Medical Center und begleitete Henry zum Flughafen. Am 29. Januar abends startete der REGA Jet mit Henry an Bord in Richtung Schweiz und landete am 30. Januar mittags in Zürich. Dort wurde Henry in eine Ambulanz von Schutz und Rettung umgeladen und, nach einer Odyssee um die halbe Welt, nach Luzern ins Spital gefahren. Was für ein Trip!

Für alle Beteiligten war diese Transat ein unvergessliches Erlebnis der etwas anderen Art. Und zum Glück ist alles soweit gut ausgegangen. Henry wird in der Schweiz operiert, und wir wünschen ihm eine rasche und gute Genesung.

Las Palmas – Martinique
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Gran Canaria

Nach meinem Kurzaufenthalt in der Schweiz flogen Isabel und ich vor Weihnachten wieder nach Las Palmas, um dort die Festtage und den Jahreswechsel zu verbringen und die Insel zu erkunden.

Den Anfang machte Las Palmas wo wir neben der Altstadt die Playa de las Canteras, einer der beliebtesten Strände besuchten. Hier entdecken wir beeindruckende, jedoch vergängliche, Sandkunst: verschiedene Künstler hatten Weihnachtsmotive mit dem Sand gebaut.

Die Dünen von Maspalomas gehören zu den bekanntesten Naturwundern von Gran Canaria und sind eines der Wahrzeichen der Insel. Dieses Naturschutzgebiet liegt im Süden von Gran Canaria und erinnert an eine kleine Wüste im Atlantik. Die Grösse beträgt ca. 400 Hektar. Die Wanderdünen, welche ständig in Bewegung sind, bestehen aus zerriebenen Muscheln und Korallen. Der Sand wurde über Jahrtausende durch Meeresströmungen und Wind nach Maspalomas transportiert.

Im Parque Rural del Nublo, im zentralen Hochland der Insel, befindet sich der kanarische Kiefernwald. Die Gegend besticht durch tiefe Schluchten und steile Felswände. Vom Pico de las Nieves genossen wir einen atemberaubenden Rundblick, zum Roque Nublo, zum Atlantik mit Sicht nach Teneriffa und dem Teide. Der Pico de las Nieves ist mit 1949m die höchste Erhebung der Insel.

Weitere Ausflüge nach Puerto Rico, Puerto Mogán oder Maspalomas führten uns in eher touristische Zentren, mit entsprechendem Volk, und hohen Preisen bei überschaubarer Qualität. 1991 war ich zum letzten Mal in Playa del Inglés, auf Diplomreise nach dem Abschluss des Studiums. Wo damals der Bär tanzte ist heute komplett tote Hose. Es hat sich einiges verändert seit damals, ist ja auch lange her.

Die Landschaft um die Punta Sardina ist wild und ursprünglich. Der Faro de Sardina ist der markante Leuchtturm im Nordwesten von Gran Canaria, steht auf der felsigen Landzunge und warnt die Schifffahrt vor der rauen Nordküste der Insel. Die Umgebung mit den vulkanischen Felsen, der offenen Atlantikküste und den schäumenden Brechern ist eindrücklich.

Noch vor meiner Abreise in die Schweiz hatte ich bei Rosa Rodriguez eine neue UV Abdeckung für das Dinghy RAFINE bestellt. Wetterbedingt gingen die Arbeiten etwas länger, auch weil noch die teilweise losen Aufsätze neu verklebt werden mussten. Aber am Silvester war es soweit, und RAFINE wurde mit dem neuen, markant roten, UV Schutz angeliefert.

Den Silvester Abend begingen wir in der Sailor’s Bay Bar, welche ein reichhaltiges und ziemlich üppiges Menu servierte. Schnell war es Mitternacht, eine Stunde später als in der Schweiz, und das neue Jahr wurde mit Schampus und einigem Feuerwerk gehörig begrüsst.

Im neuen Jahr galt es noch ein wichtiges Projekt in Angriff zu nehmen: nämlich die Verewigung der kommenden Atlantik Überquerung auf der Hafenmole von Las Palmas. Viele Crews haben da – meist ziemlich kreativ – einen der vielen Molensteine bemalt oder besprayt, mit Logo, Jahr, Namen etc. der Yacht und der Crew. Und so haben wir uns auch etwas kreativ betätigt. Mit viel Elan und noch mehr Farbe gingen wir an die Arbeit. Der Künstler hatte und gab sich Mühe, SY AVENTURA im Vergleich zu den Werken der anderen Yachten möglichst konkurrenzfähig darzustellen. Der geneigte Leser beurteile selbst.

Bald ging die schöne Zeit in Gran Canaria zu Ende, und Isabel musste wieder in die winterlich kalte Schweiz zurück reisen. Der Abschied fiel schwer, aber das nächste Wiedersehen in der Karibik ist ja nicht allzu weit – nur eine Atlantiküberquerung – entfernt.

Autotour in Gran Canaria
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Tanger, Lanzarote, Gran Canaria

Matthias und Hardy begleiteten mich auf der Etappe nach Gran Canaria. Die Abfahrt ab Gibraltar verzögerte sich etwas, da die Wettermodelle für einen direkten Schlag nach Lanzarote über mehrere Tage ungünstigen Wind prognostizierten. Also war vorerst warten angesagt.

Des Wartens etwas überdrüssig geworden, entschlossen wir uns daher, erst einmal nach Tanger zu segeln, und dort auf günstigen Wind für den langen Schlag nach Lanzarote zu warten.

Der Schlag zur afrikanischen Seite der Strasse von Gibraltar gestaltete sich als herrliche Rauschefahrt entlang der spanischen Küste, anfangs mit mässigem Wind, welcher dann vor Tarifa auf 26kn und mehr auffrischte. Kurz nach dem Verkehrstrennungsgebiet querten wir die Strasse von Gibraltar und damit verliess SY AVENTURA den europäischen Kontinent.

In Tanger liefen wir die Tanja Marina Bay an, wo auch das Einklarierungsprozedere stattfand. Die übliche Besichtigung (Durchsuchung) des Schiffs, liess die Beamten beim Blick in die Bilge ziemlich stutzen: „Mais vous avez vraiment beaucoup d‘alcohol à bord, Monsieur“, meinten sie, stirnrunzelnd meine Vorräte an Wein und härteren Sachen betrachtend. Dem entgegnete ich, dass wir halt noch einen sehr weiten Weg bis in die Karibik vor uns hätten und wir in Tanger ja bloss auf der Durchreise seien, was zum Glück akzeptiert wurde, und wir nach Marokko einreisen durften.

Gleich neben der Tanja Marina Bay, sind verschiedene Restaurants, Bars und Clubs angesiedelt, alle mit hoher Qualität und entsprechenden Preisen auf die lokale Schickeria und die Touristen ausgerichtet. Wir besuchten das Safran und genossen exzellente marokkanische Küche mit Live Show Experience.

Entertainment im Safran

Tanger ist eine bedeutende Hafenstadt und einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Mittelmeerraum. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus arabischen, andalusischen, afrikanischen und europäischen Einflüssen. Die Altstadt (Medina) mit engen Gassen und Basaren ist besonders sehenswert.

Die Stadt wurde über Jahrtausende von Phöniziern, Römern, Arabern, Portugiesen, Spaniern und Franzosen geprägt. Von 1923-1956 war Tanger eine internationale Zone, ein einzigartiges politisches Konstrukt mit besonderem Status, welches viele Künstler, Schriftsteller und Diplomaten anzog. Auch heute hat Tanger eine Mischung aus kosmopolitischem Flair und traditioneller marokkanischer Kultur.

Endlich ergab sich ein Wetterfenster, welches uns erlaubte, den Schlag nach Lanzarote zu starten, obwohl die ersten zwei Tage Amwind-Segeln zu erwarten war. Also klarierten wir aus, was für marokkanische Verhältnisse relativ rasch ablief, und stachen in See.

Tatsächlich waren die ersten beiden Tage ungemütlich, bei Kurs hart am Wind, Regensqualls mit bis zu 40kn Böen und einer unangenehmen Welle. Ab dem dritten Tag drehte der Wind endlich auf die für diese Jahreszeit übliche Nordost Richtung und SY AVENTURA konnte endlich mit der Passatbesegelung fahren. Zuerst noch gemächlich, lange begleitet von einer Gruppe Delphine, wurde die Fahrt bei auffrischendem Wind immer rasanter, und wir preschten letztlich mit 9.5kn durchs Wasser und erreichten sogar eine maximale Geschwindigkeit von 11kn. Noch zu nachtschlafener Zeit fuhren wir in die Marina Rubicón auf Lanzarote ein, und mussten bis zum nächsten Morgen warten, um einchecken zu können.

Die grosse Marina war ziemlich voll, und es stellte sich als gute Idee heraus, den Platz bereits bei der Abfahrt in Tanger reserviert zu haben. SY AVENTURA lag prominent direkt vor der Restaurant- und Café-Zeile und wir hatten somit kurze Wege.

Auf dem Schlag von Tanger nach Lanzarote hatten wir im Starkwind die Genua und den Besan beschädigt, so dass kurzfristig ein Segelmacher für die Reparatur benötigt wurde. Manuel von Lanzarote Sails führte die nötigen Arbeiten prompt und zuverlässig aus, so dass wir schon bald wieder weiterfahren konnten.

Weiter ging es via Puerto Calero in den Norden von Lanzarote zur Isla Graciosa, wo wir im Naturschutzgebiet in der schönen Bucht Playa Francesca ankerten. Das war eine willkommene Abwechslung zu den bisherigen Marinas.

Bevor wir jedoch in der Playa Francesca vor Anker gehen konnten, war wieder Aufkreuzen gegen Wind und Welle angesagt, was eine mühsame Angelegenheit war. Erst nach Sonnenuntergang fiel der Anker und wir dann bald einmal in die Kojen. Der nächste Morgen offenbarte dann die Schönheit dieser Bucht, mit atemberaubendem Blick zum Montaña Amarillo und zur Westküste von Lanzarote.

Mit dem Dinghy wurde Tags darauf zum Strand übergesetzt und eine staubige Wanderung nach Caleta de Sebo angetreten. Die wunderschöne Natur erinnerte an eine Westernkulisse. Es fehlten nur noch der lange Mantel, der Stetson und natürlich der tief hängende Colt.

Den 1. Advent verbrachten wir mit einem erfolglosen Versuch, die automatische Bilgenpumpe wieder zum arbeiten zu bringen, sowie mit der Suche nach einem nächsten Hafenplatz. Eigentlich war der Plan, Fuerteventura anzulaufen, aber entweder war niemand erreichbar oder die Marina war bereits voll. Dies scheint in dieser Jahreszeit wohl die Regel zu sein, auch die Playa Francesca war mit mehr als 20 Yachten gut gefüllt. Schliesslich erhielten wir von der Marina Rubicón eine Zusage, so dass wir wieder dorthin segelten, endlich wieder mit einer Downwind Passage.

Wir erlebten eine tolle Rauschefahrt, mit 9kn Fahrt bei 21-23kn Wind. Und all dies am 65. Geburtstag von Matthias, welchen wir am Abend beim Japaner mit einem vorzüglichen Dinner feierten.

Rauschefahrt entlanng der Westküste von Lanzarote

In der Marina Rubicón wurde SY AVENTURA retabliert und die automatische Bilgenpumpe wurde durch eine neue aus dem Ersatzteillager ersetzt. Ebenfalls wurden die in die Jahre gekommenen zugehörigen Schläuche ersetzt. Und auch im Flagship waren wir wiederum gern gesehene Gäste.

Die Zeit in der Marina Rubicón ging langsam zu Ende und das Wetter passte gut, um die Ūberfahrt nach Las Palmas zu wagen. Nach einem letzten Dinner im Argentinischen Restaurant und einem letzten Besuch im Flagship, nahmen wir am nächsten Morgen die 100sm in Angriff. Der Schlag nach Gran Canaria war ein wunderbarer und schneller Downwindritt mit der Passatbesegelung, welcher auch einen tollen Abschluss dieses Törns von Gibraltar nach Gran Canaria darstellte. Um 0330h fiel der Anker auf der Reede vor dem Puerto Desportiva Las Palmas und wir stiessen mit einem wohlverdienten Ankerbier auf den gelungenen Törn an. Am nächsten Morgen verlegten wir in die Marina und bezogen unseren Platz, an dem SY AVENTURA nun bis zum Start der Transat im Januar liegt.

Las Palmas wurde 1478 gegründet und ist die neuntgrösste Stadt Spaniens. Der historische Stadtteil Vegueta mit engen Gassen, kolonialer Architektur und Kopfsteinpflaster zählt zu den schönsten und geschichtsträchtigsten Vierteln. Las Palmas verbindet Stadt- und Inselflair, was die Stadt besonders lebendig und vielfältig macht.

Schon bald nahte der Abschied und wir fuhren zum Flughafen, wo Hardy nach Berlin, Matthias nach Basel und ich nach Zürich – für einen ungeplanten Kurzaufenthalt – flogen. Schön wars, und die beiden Segelkameraden waren sicherlich nicht zum letzten Mal an Bord der SY AVENTURA.

Gibraltar-Tanger-Lanzarote-Las Palmas
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Gibraltar

Nachdem Isabel nach ihrem zweiwöchigen, arbeitsbedingten Schweiz-Aufenthalt wieder nach Almerimar zurückgekehrt war, konnten wir den Schlag nach Gibraltar starten.

Die Windprognosen sagten ab Anfang Woche günstigen Ostwind voraus, so dass die ca. 140 sm nach Gibraltar in Angriff genommen werden konnten. Im Puerto Deportivo Almerimar war alles abgegeben und ausgecheckt, somit hiess es endlich „Leinen los“.

Der Kurs war platt vor dem Wind (Dead Run), so dass zuerst mit Genua, Ballooner und Besansegel gesegelt werden konnte. Später drehte der Wind und frischte auf, so dass mit Raumkurs (Broad Reach), ohne Ballooner aber mit Genua, Grosssegel und Besansegel gut Speed gemacht wurde. Die Bedingungen waren optimal und so entschieden wir uns, ohne Zwischenhalt nach Gibraltar durchzusegeln.

Wir erreichten die Reede vor La Linea de la Conception am Nachmittag des zweiten Tages und gingen vor Anker. Es blieb auch noch genügend Zeit, um gut vorbereitet an einem Conference Call teilzunehmen.

Am nächsten Tag liefen wir kurz Ocean Village in Gibraltar an, um zollfrei zu tanken, und danach verlegten wir SY AVENTURA in die Alcaidesa Marina in La Linea de la Conception, gleich ausserhalb von Gibraltar.

Natürlich durfte ein Besuch von Gibralter und dessen Sehenswürdigkeiten nicht fehlen. Gibraltar ist klein, nur etwa 6.5 km2 und hat ca. 35’000 Einwohner. Diese haben sich in einem Referendum 1967 mit 99% für einen Verbleib bei Grossbritannien und gegen einen Wechsel zu Spanien entschieden. Im einem weiteren Referemdum 2002 entschied sich die Bevölkerung, wiederum mit 99%, gegen eine gemeinsame Souveränität mit Spanien.

Gibraltar, strategisch optimal an der Südspitze der Iberischen Halbinsel, und an der gleichnamigen, 24km breiten, Seestrasse gelegen, bietet viel Historie und eine spannende Mischung aus britischer, spanischer und mediterraner Kultur.

Ein Must-See war natürlich der Fels von Gibraltar (426müM), von welchem ein atemberaubender Blick auf Spanien, das Mittelmeer und über die Strasse von Gibraltar bis nach Marokko gewährt wird. Selbstverständlich gehörten auch die Berber-Affen dazu. Bekanntlich sagte Winston Churchill einst, dass Gibraltar britisch bleibe, solange die Affen auf dem Fels leben. Na dann.

Der Skywalk, welcher von Prinz William eröffnet wurde, ist eine Glasplattform am Felsen, und bietet einen spaktakulären Panoramablick. Der Gang über den Skywalk ist definitiv nichts für Schwindelanfällige.

Ebenfalls sehr eindruckvoll war die Tropfsteinhöhle St. Michael’s Cave. Im zweiten Weltkrieg wurde die Höhle als Spital eingerichtet, musste aber glücklicherweise nie genutzt werden. Heute wird sie oft für Konzerte und Shows genutzt, da sie eine spektakuläre Beleuchtung und Akustik hat.

Die Great Siege Tunnels gaben einen faszinierenden Blick in die Militätgeschichte Gibraltars. Die Tunnel wurden im 18. Jahrhundert während der jahrelangen spanischen Belagerung in die Felsen gehauen. Mit Kanonen bestückt, ergab dies eine wirkungsvolle Verteidigung Gibraltars. Die Tunnel erinnerten mich sehr an meine Zeit bei den Festungstruppen der Schweizer Armee – auch dieses Kapitel ist schon etwas länger her.

Gibraltar Town und da besonders die Main Street sind ein steuerfreies Shopping Paradies. Oft kommen arbeitslose Spanier nach Gibraltar und kaufen Zigaretten und Alkohol günstig ein, um die Ware dann in Spanien teurer zu verkaufen. Das ist doch eine geschäftstüchtige Idee. Britische Pubs stehen neben Tapas Bars, was eine einmalige Mischung ergibt.

Der Europa Point ist der südlichste Punkt Gibraltars, für die Seefahrt gut mit einem Leuchtturm markiert, mit Blick auf Afrika. Ebenfalls von See aus gut zu sehen, ist die King Fahd Bin Abdulaziz Al Saud Moschee, welche wir jedoch nicht besichtigten.

Rechtzeitig zu meinem Geburtstag trafen Matthias und Hardy in Gibraltar ein. Die beiden lassen auch keine Party aus! Zu viert verbrachten wir einen schönen Abend in La Linea bei feinen spanischen Köstlichkeiten und feierten bis spät in die Nacht hinein meinen Geburtstag.

Am nächsten Tag musste Isabel wieder in die spätherbstliche Schweiz zurück fliegen, um zu arbeiten. Auch diesmal viel der Abschied schwer.

Schon bald startete die neue Crew die Vorbereitungen für die nächste Etappe nach Gran Canaria, zuallererst mit dem Studium der Wettermodelle und der Windprognosen. Diese sagten für die nächsten Tage nichts Gutes voraus. Somit war vorerst warten angesagt.

Almerimar-Gibraltar
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Almerimar

Nach einer weiteren ambulanten Behandlung meines linken Fusses, diesmal im PAS l’Alguer, und zwei weiteren Spritzen in den Allerwertesten, wurde es langsam Zeit, Valencia zu verlassen.

Die Windprognose war für einmal vielversprechend und so liefen wir am späten Nachmittag aus Valencia bei schönem Wind aus, um in der Nacht die knapp 90sm nach Ibiza zu segeln.

In der Nacht musste zwar wieder einmal der Volvo ran, aber vorher und nachher war schönes Segeln angesagt, was doch für einmal eine schöne Abwechslung war.

Am Morgen erreichten wir Ibiza und kurz nach dem Mittag den Ankerplatz in der Cala Talamanca bei Ibiza Stadt. Der Ankerplatz war gut besucht und auch vor Ibiza war viel Betrieb auf dem Meer.

Easy Sailing to Ibiza

Am Abend brachte uns das Dinghy RAFINE wohlbehalten an Land. Hier verliess uns Ale, um mit dem Nachtflug von Edelweiss zurück in die Schweiz zu fliegen. Isabel und ich besichtigen etwas Ibiza Stadt und dinierten an Land. Ibiza Stadt beeindruckte uns nicht besonders: sehr touristisch, schrill und eher teuer.

Der Wetterbericht prognostizierte für den nächsten Tag einigermassen guten Wind für den Schlag in Richtung Cartagena. So verliessen wir das ziemlich überfüllte Ibiza und segelten gemütlich in Richtung Cartagena.

Bei schönem Wind aus der richtigen Richtung konnten wir zügig in Richtung Cartagena segeln, eine Strecke von immerhin 140sm. Noch lange sahen wir Ibiza achteraus, jedoch immer kleiner werdend. Die Nacht verlief ruhig und der nächste Tag erwachte bei leichter Bewölkung, was ganz angenehm war nach den sengenden Temperaturen der letzen Tage. Am Nachmittag fiel der Anker in der offenen Bucht bei Algameca Chica in den Sand. Der idyllische Abend vor Anker ging in die Nacht über, welche ab zwei Uhr morgens leider gar nicht mehr ruhig war: der aufkommende SW Wind brachte Wellen und einen unangenehmen Schwell, so dass SY AVENTURA hin und her schwankte, dass es uns fast aus dem Bett warf. An viel Schlaf war nicht mehr zu denken, und nach dem ersten Büchsenlicht gingen wir ankerauf und verlegten SY AVENTURA in den Yacht Port Cartagena. Endlich war es ruhig und wir konnten auch von Cartagena noch etwas sehen.

Cartagena – gegründet von den Karthagern ca. 227 v. Chr. – ist eine schöne Stadt mit einer über 2500 Jahre alten Historie. Sie spielte in der Antike, im Mittelalter und auch in der Neuzeit eine wichtige Rolle. Kulinarisch zu empfehlen ist das El Cantón, welches sich in Dekoration und Menu-Auswahl an die Kantonale Revolution von 1873 anlehnt. Da erklärte sich Cartagena für mehrere Monate zur unabhängigen Republik.

Cartagena ist bekannt für seine antiken Ruinen, und ist immer noch ein wichtiger Marine- und Handelshafen. Uns hat’s jedenfalls gut gefallen in Cartagena.

Mit genügend Zeit zur Verfügung konnten wir die restlichen ca. 120sm bis Almerimar in kleinere gemütliche Schläge aufteilen, und uns nach dem vorherrschenden Wind richten.

Der erste Schlag führte uns mit gutem Wind aus achterlicher Richtung zur Bahia Del Hornillo, einer Bucht nahe bei Aguilas. Der Grund besteht aus Sand und sehr viel Seegras, nach unserer Erfahrung praktisch ausschliesslich aus Seegras, so dass es einige Anläufe brauchte, bis das Eisen wirklich hielt. Bei Anbruch der Nacht waren dann auch alle Tagesausflügler verschwunden und wir konnten die Ruhe der Bucht geniessen.

Bei gleichen angenehmen Windbedingungen segelten wir tags darauf gemütlich zur Ensenada de Agua Amarga, auch Bitter Water Bay genannt. Hier war viel Betrieb mit kleinen spanischen Booten, welche aber am Abend alle nach Hause fuhren, so dass wir auch hier die Bucht für uns alleine hatten.

Nach einer ruhigen Nacht und einer morgendlichen SUP Tour an den Strand ging es ankerauf für den Schlag zum Cabo Gata, einem Kap mit eindrucksvoller Natur. Schönster achterlicher Wind machte die Fahrt mit der Passatbesegelung zum puren Segelvergnügen. Schnell waren wir am Ankerplatz in der Cala Cabo Gata, wo das Eisen in den Sand fiel. Auch hier war viel Wochendbetrieb, mit Seekayaks, kleinen Motorbooten und den unsäglichen Jetskis. Erst am Abend wurde es ruhiger und wir waren mit anderen Yachten aus Holland, Frankreich und Deutschland alleine.

Tags drauf setzen wir Segel, um mit einem kurzen Schlag nach Almería zu gelangen. Neben dem Club de Mar fiel der Anker, und schon bald war das Dinghy RAFINE bereit, uns an Land zur Stadtbesichtigung zu bringen.

Beeindruckend war die Alcazaba, die maurische Festung, welche im 10. Jahrhundert errichtet wurde. Teile der Alcazaba dienten als Kulisse zu Hollywood Filmen wie „Indiana Jones“. Leider war die Alcazaba wegen Renovation geschlossen, so dass wir das Innere nicht besichtigen konnten. Die Kathedrale von Alemería beeindruckt mit einer Mischung aus Gotik und Renaissance. Die Kathedrale ist auch eine Festung, und diente der Verteidigung gegen die Angriffe der Berber.
Erstaunt waren wir, als wir bereits am Montag Nachmittag ziemlich aufgebretzelte Damen vor den Clubs Schlange stehen sahen. Des Rätsels Lösung: es war die Feria de Almería, ein Fest zu Ehren der Schutzpatronin Virgen del Mar, welches sich gleich über neun Tage hinstreckt. In dieser Woche sollte man in Almería, neben feiern, nicht allzuviel erreichen wollen.

Da für die nächsten Tage West Wind in Sturmstärke vorausgesagt war, segelten wir bei noch gemässigten Bedingungen zwei Tage früher als geplant zum Zielhafen dieser Etappe – nach Almerimar. Etwas überraschend wurde uns der Liegeplatz gleich neben der SY NADINE zugeteilt, der Jeanneau 53 von René, Yindi und Alexandre, welche wir bereits in Cartagena ausgiebig besichtigen durften.

In Almerimar bleibt die SY AVENTURA bis Anfang November und kommt im Oktober in den Genuss einer ausgedehnten Maintenance. Um dies alles zu organisieren, konnte ich die Tage bis zum Rückflug in die Schweiz gut nutzen.

Valencia-Almerimar
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Valencia

In Barcelona kamen Isabel, Barbara und Ale an Bord der SY AVENTURA und nach einem oppulenten Dinner in der Bar Cañete verliess uns Rico tags darauf, um zur Hochzeit von Marine Jimenez nach Castres zu reisen.

Die Bar Cañete – ausgezeichnet mit Michelin Meriten – offeriert traditionelle katalanische Küche mit Frischprodukten von den lokalen Märkten. Das Resultat für den Gast ist ein Hochgenuss.

Nach Erledigung der Formalitäten verliessen wir Barcelona und die Marina Vela, um gemütlich in Richtung SW zu fahren, respektive – sofern der Wind es zuliess – zu segeln.

In Sitges fiel der Anker in den Sand und das Dinghy RAFINE brachte uns an den Strand und in das Restaurant vom Real Club Nautico Sitges. Tags darauf ging es bei ähnlichen Bedingungen weiter nach Tarragona.

Da ich wieder einmal Probleme mit meinem linken Fuss hatte – das leidige Tarsal Tunnel Syndrom poppte wieder einmal auf – suchte ich noch ein Spital – das Hospital Viamed Monegal – auf, um das behandeln zu lassen. Dieser Spitalbesuch war eine Erfahrung der anderen Art: neues Spital, alte Prozesse, freundliche aber sowas von total unfähigem Personal, dass sogar die Spanier reklamierten. Nun ja, nachdem Isabel und ich dem senilen Arzt die Diagnose und die Behandlung erklärt hatten, kriegte ich endlich die Linderung verschaffende Kortison-Spritze. Bald kam die Besserung und es konnte tags darauf weiter gehen.

Leider ohne Wind und bei brütender Hitze wurde es ein langer Tag, bis in Puerto dels Alfacs, welches zum Delta des Rio Ebre gehört, endlich der Anker fiel. Eine sternenklare Nacht mit vielen Sternschnuppen entschädigte uns für den zermürbenden Motorenlärm.

Weiter ging es nach Castellón, wo wieder einmal ein Hafen angelaufen wurde. Leider waren wir auch an diesem Tag wieder grösstenteils mit Volvo Power unterwegs, auch wenn mal kurz gesegelt werden konnte.

Die nächste Etappe führte uns nach Valencia, unserem Zielhafen für diese Woche. Und täglich grüsste das Murmeltier: viel Sonne, wenig Wind, viel motoren, wenig segeln.

In Valencia genossen wir ein tolles Dinner im Sabija an der Beachmeile und verzichteten bei 37 Grad auf eine Stadtbesichtigung. Hier verliess uns Barbara, um zurück in die Schweiz zu fliegen – jemand muss ja nächste Woche auch arbeiten!

Es war eine schöne Woche, leider mit viel zuwenig Wind und zuviel Hitze, aber trotzdem mit sehr schönen Erlebnissen.

Barcelona-Valencia
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Barcelona

Ende Juli wurde der Golf R zum letzten Mal für eine Reise nach Genua bis unter die Dachkante vollgepackt. Dieses Mal sollte die SY AVENTURA Genua endgültig verlassen. So fuhren Rico und ich zügig, und wie üblich nachts, nach Genua und schafften alles Material an Bord.

Beim meinem letzten Aufenthalt wurde ja noch einiges in Auftrag gegeben, z.B. die Maintenance am Aussenborder, die Revision der Einspritzdüsen des Onan Generators und der Ersatz des Dayco Keilriemens des 24V Alternators, was nun selbstredend auch alles geprüft wurde. Zudem standen noch Garantiearbeiten am Dinghy und der GPS Maus an. Die Geschwindigkeit der GPS Maus hatte Paul auf 4800 Baud reduziert, so dass die Datum/Zeit Information vom Furono NAVTEX NX-900 auch verstanden wird. Jetzt liest das Furono NAVTEX zwar die GPS Maus, und zeigt auch Position, SOG und COG an, jedoch Datum/Zeit leider immer noch nicht. Furono erwartet das ZDA Format, und kann die Datum/Zeit Information nicht aus dem gesendeten RMC Format extrahieren! Da hat wohl der Stift programmiert – die Software von Furono ist eine einzige Enttäuschung. Paul wird jetzt einen Adaptor fertigen, welcher RMC in ZDA wandelt. Somit ist diese Baustelle auf Oktober in Spanien verschoben.

Selbstverständlich durften die lukullischen Köstlichkeiten Liguriens nicht fehlen und wurden noch einmal intensiv genossen. Nach dem Einkauf, der Erledigung der letzten administrativen Tasks und der herzlichen Verabschiedung von Monica – Ernesto befand sich auf einer Velotour durch Europa – hiess es endlich „Leinen los, Arrivederci Genova„.

Etwas Wehmut schwang beim letzten Auslaufen aus Genua schon mit, war doch dieser Hafen seit drei Jahren der permanente Liegeplatz von SY AVENTURA und die Marina Genova und Sestri Ponente hatten wir in dieser Zeit lieb gewonnen. Aber jetzt galt es, Segel zu setzen, vorwärts zu schauen und den Törn nach Barcelona zu geniessen (und auf guten Wind mit nicht zu heftigem Mistral zu hoffen).

Wie so oft im Golf von Genua, hatte es nur wenig Wind und dies erst noch auf die Nase. Also tatsächlich so, wie es die Wetterprognosen voraus sagten. Somit wurde halt die Maschine bemüht, um bis zum Cabo Noli zu gelangen. Ab da kam etwas mehr Wind auf – zwar immer noch auf die Nase – aber so konnte die erste Etappe zur Isola Gallinara doch noch segelnd bewältigt werden.

Nach dem morgendlichen Frühsport, um den Propeller tauchend von Muscheln und Kalkwürmern zu befreien, ging es weiter in Richtung Frankreich. Wiederum hatte es wenig Wind, so dass neben Segeln auch mal die Maschine zum Einsatz kam. Am Abend erreichten wir die Rade de Villefranche, welche schon letztes Jahr besucht wurde. Etwas unverhofft war das Wiedersehen mit der Explora II, welche in der Rade von Anker lag. Dieser Kreuzfahrer wurde in Sestri Ponente gebaut, und wir konnten die Fortschritte jeweils direkt ab dem Hafenplatz von SY AVENTURA beobachten. Im September 2024 machte die Explora II auch in Barcelona halt, auf dem Weg in die Karibik. Inzwischen baut die Werft die Explora III – der Markt mit den Kreuzfahrtsschiffen scheint zu florieren.

Den 1. August begingen wir standesgemäss an Bord.

Tags darauf war das Ziel St. Tropez, genauer die Anse des Canebiers, wo SY AVENTURA schon mehrfach vor Anker lag. Der schöne Raum Kurs dauerte bis zur Baie de Cannes, dann schlug der Mistral zu: natürlich wieder auf die Nase – am Anfang mit erträglichen 20kn. So nahmen wir die Kreuzerei halt in Angriff. Der Mistral frischte immer mehr auf, bis wir dann bei der Anfahrt zur Baie de St. Tropez gute 35kn Wind hatten und dies hart am Wind segeln mussten. Trotz – weil küstennah – erträglichem Seegang, wurde die SY AVENTURA gehörig gebeutelt und geduscht. Es war schon fast wie Laser segeln, nur eben im geschützten Mittelcockpit, und daher für die Crew trocken. Der Kampf hatte um 21h ein Ende, wir waren heil vor Anker, und freuten uns nach diesem harten Schlag auf ein feines Znacht und auf unsere Kojen.

Am nächsten Tag ging es schon früh los, der Wind hatte gedreht, so dass wir mit Halbwind Kurs in Richtung Îles d’Hyères segeln konnten. Am Nachmittag erreichten wir Porquerolles und das Eisen fiel in den Sand. Am Abend wurde das Dinghy RAFINE klargemacht und wir besuchen Porquerolles. Der Ort Porquerolles ist immer noch schmuck, immer noch sehr touristisch und immer noch ziemlich teuer.

In Porquerolles wollten wir ein geeignetes Wetterfenster zum Überqueren des Golfe du Lion abwarten, da wir keine Lust hatten, schon wieder >30kn Mistral zu „geniessen“. Die beste Option war, am nächsten Morgen zeitig loszusegeln. Trotz zu Beginn gutem Segelwind, welcher dann leider immer weniger wurde, kamen wir nicht wie gewünscht voran, so dass Mr. Volvo zum Einsatz kommen musste.

Die Überfahrt war wie erwartet ruhig, es konnte doch noch ab und zu gesegelt werden, und am Abend des folgenden Tages erreichten wir Tossa de Mar in Spanien, wo in schöner Umgebung das Eisen in den Sand fiel.

Ab Tossa de Mar waren es noch 40sm bis nach Barcelona. Die Wetterprognose versprach nicht zuviel, und wir konnten noch einmal einen tollen Segeltag geniessen. Bei zu Anfang achterlichem Wind wurde sogar der Ballooner gesetzt, zum ersten mal überhaupt, seit ich Eigner der SY AVENTURA bin. Das Setzen der Passatbäume ging schon relativ zügig, da ich dies schon im 2024 in Barcelona ausprobiert hatte. Nachdem wir auch noch das Ballooner Fall korrekt eingezogen hatten, konnte das Teil gehisst werden und wir waren erstmals mit der Passatbesegelung unterwegs.

Allerdings nicht für lange, denn es kam die Garbi Breeze auf, ein vom AC37 wohlbekannter Wind aus SW. Es ging mit knapp 8kn Fahrt gegen Barcelona zu, was für mich so etwas wie eine Heimkehr war: die altbekannte Skyline, die geschäftige Stadt, die sichere Marina Vela mit dem freundlichen Personal. Und natürlich die Restaurants und Tapas Bars mit den katalanischen Köstlichkeiten…

Bienvenido de nuevo a Barcelona!

Das war ein toller Segeltörn zusammen mit Rico, welchem es an Bord der SY AVENTURA gut gefallen hat.