In den acht Wochen unterwegs, welche bis auf eine Nacht in der Marina des Sandy Lane Yacht Clubs, am Anker verbracht wurden, musste ich feststellen, dass meine Solarpanels und der Windgenerator den Strombedarf von S/Y AVENTURA zu wenig deckten. So musste sicher jeder zweite Tag , oft sogar täglich, der Generator für ein paar Stunden laufen, um die Batterien zu laden. Und das nervte gewaltig: da liegt man in der schönsten Bucht vor Anker und muss den Lärm und den Gestank vom Generator ertragen. Und so reifte langsam aber sicher die bittere Erkenntnis, dass meine zwar ästhetisch schönen, von vielen bewunderten und mit viel Mühe und Herzblut montierten, Simpson Oval 150 Davits einem Solar Portal weichen mussten. Schönheit und Ästhetik sollten also durch eine pragmatische und umweltfreundliche Stromproduktion ersetzt werden. Ich suchte mir bei Caraïbe Marine zwei leistungsstarke Solar Panels aus und erteilte INOXALU, welche im Februar bereits die Reling und die Gangway sehr gut repariert hatten, den Auftrag zum Bau des Portals.
Vor dem Törn mit Rico hatte ich noch eine Woche Zeit, einige kleinere Arbeiten an S/Y AVENTURA vorzunehmen, und AMEL Caraïbe die Navigationsstation reparieren zu lassen – ein während der Transat entstandener Schaden. Auch der in die Jahre gekommenen Waschmaschine wurde neues Leben eingehaucht, so dass sie wieder einwandfrei funktionierte. Welcher Luxus, nach sechs Wochen ohne Waschmaschine an Bord.
AMEL Caraïbe hatte endlich auch bei den Passatbäumen vorwärts gemacht und brachte die langen Teile neu gemacht und/oder frisch revidiert an Bord. Auch das zu den Passatbäumen gehörige laufende Gut wurde ersetzt.
Kai von INOXALU hatte während des zweiwöchigen Törns mit Rico das Solar Portal fertig gebaut, so dass es nun am Heck von S/Y AVENTURA montiert werden konnte, was eine recht aufwendige Arbeit war. Kai hatte jedoch alles im Griff und lieferte einen super Job ab.




Nach der Montage des Portals, der Solar Panels und dem Kran für den Aussenbordmotor, kam nun das Finetuning für die Aufhängungen des Dinghys und der Gangway. Die alte Version der Gangway Aufhängung, mit dem Fall vom Besanmast, war jetzt nicht mehr möglich. Von den bisherigen Simpson Davits konnte ich immerhin die Andersen Winschen und die Leinen übernehmen, so dass die neue Dinghy Aufhängung ähnlich wie die vorherige bedient werden kann. Das Heben und Senken des Aussenbordmotors mittels eines weiteren Falls am Besanmast, was einigermassen umständlich und nur mit zwei Personen machbar war, wurde durch den Kran mit einem Flaschenzug ersetzt, welcher jetzt Einhand bedient wird.



Zuletzt wurde der MPPT Regler eingebaut und die Solar Panels fachgerecht verdrahtet. Auch die Antenne des Furuno NAVTEX, welche an ihrem früheren Platz an der Reling oft im Weg war, wurde neu am Portal befestigt. Dazu musste auch das Antennenkabel entsprechend verlängert werden.
Der Ventilator des Dampfabzugs über dem Kochherd, welcher seit längerem kreischende oder sonstige ungewöhnliche und unpassende Geräusche von sich gab, drehte plötzlich überhaupt nicht mehr und musste ersetzt werden. Einfacher gesagt als getan: genau dieses Modell von Plastimo war natürlich nicht erhältlich, so musste es ein „nahezu gleicher“ Ventilator von Jabsco tun. Nach einigen mechanischen und elektrischen Anpassungen war das Teil endlich in die bestehende Installation intergriert. Ab jetzt konnte in der Kombüse wieder nach Herzenslust gebrutzelt und gebraten werden, der Abzug saugte alle Dämpfe ab.



Nach mehr als einer Woche am Steg von INOXALU, war ich froh, dass all die Arbeiten abgeschlossen waren und ich wieder in See stechen konnte. Und dies mit hoffentlich jetzt ausreichender Stromversorgung. Nach ausgiebiger Verproviantierung – mein Plan war, bis Trinidad nichts mehr einzukaufen – konnte ich langsam meine Abreise aus Martinique angehen.
In Martinique hatte ich letztlich viel mehr Zeit verbracht, als ursprünglich geplant.
Auch wenn vieles anders lief, als ich es gerne gehabt hätte, war der lange Aufenthalt doch auch schön und ich durfte ein paar interessante Leute kennenlernen, allen voran Kai und Katharina, welche aus Leipzig stammen, in Martinique hängen geblieben sind, und hier INOXALU betreiben.
Endlich setzte ich Segel und startete meinen Törn in Richtung Süden. Au revoir, Martinique.

